Der Winter holt noch einmal aus und schlägt ein letztes Mal einen linken Haken. Oder ein Häkchen. Denn es ist wohl nicht mehr als ein letztes Aufbäumen. Hoffentlich, denke ich, denn bald ist Frühlingsanfang. Der kleine Hauch Schnee der letzten Nacht verweht schnell im frischen Wind. Eine blank geputzte Sonnenscheibe zwingt Dich nach draußen, Richtung Wasser, denn trübe Gedanken gehen Dir durch den Kopf, halten Deine Stimmung in Geiselhaft und wollen nicht loslassen.
Der weite Strand lässt ferne Blicke zu. Der Wind weht das Meer vor sich her, bläst Dir den Kopf frei. Wind, Wellen, Schaum an der Wasserkante. Meerschaum!













Heute sind nicht Viele hier. Ein paar von denen, die mit Dir hier sind, laufen wie Du, Richtung Norden, Andere kommen Dir entgegen, wieder Andere sind stehen geblieben und schauen auf’s Meer. Die einen blicken versonnen, stumm, andere verschlossen, in-sich-versunken, in ihren Gedanken gefangen. Aber manche haben schon diesen gewissen Blick, den freien, diesen besonderen, diesen gelösten Gesichtsausdruck; den Gesichtsausdruck derjenigen, die lange genug der Wasserkante zugehört haben. Und die verstanden haben, was sie hörten. Dieses Verstehen ist kein rationales, das sich dem vernunftsbestimmten Denken erschliesst, es ist vielmehr ein meditatives. Viele, so wie ich, sind genau deswegen hier. Intuitiv hergekommen um den Kopf zu befreien.
Weiter oben am Strand ist es anders. Dort wo der Sand hart und glatt ist, sind ein paar moderne Ritter zu sehen, dick eingepackt, unkenntlich, weil mit geschlossenem Visier. Auf ihren dreibeinigen Schlachtrössern aus Stahlrohr und Gummi, lassen sie sich ziehen vom Wind der die Fallschirmseide bläht. Sie sind nur zum Spass hier, nicht zu meditativem Anlass. Gerne würden sie diesen Strand möglichst im gestreckten Galopp entlang jagen. Aber zu schwach ist inzwischen der Wind – nicht viel mehr als eine Brise ist geblieben – und deshalb wird aus dem Galopp nur mehr ein Trab. Ihren Spass haben sie trotzdem. Und sollen ihn haben.
Die Holzbauten auf den Pfählen im Süden haben schon vielen Stürmen standgehalten. Das späte Licht spielt mit Deinen Sinneseindrücken, malt Schatten auf den Sand. Im Gegenlicht wirken die Häuser fremd, eine leichte Gischt über der verbliebenen, schwachen Brandung zeichnet die Bilder sanft, macht sie weich. Die tief stehende Sonne verschiebt die Farben nach Sepia.
Dieser Strand ist wie ein guter Freund. Er hört Dir zu, er weitet Dir den Blick und lässt Dich erkennen, wie klein, nichtig und sinnlos trübe Gedanken im Grunde sind. Man muss diesen Freund nur sprechen lassen. Und ihm zuhören.
I’m free! – The Who, Tommy
Hinterlasse einen Kommentar