Bon vin!

Die Nacht an der Reyzousse war dunkel, mäuschenstill und … nass! Es hat mehrfach heftig geregnet und der Schlaf war zeitweise unterbrochen, leider. Es trommelte ordentlich aufs Dach des Mobils.

Wie schon auf früheren Fahrten wird sich wohl die Spontan-Strategie wieder bewähren: Meist abends beim Glas Wein machen wir, abhängig von Lust, Reiselaune und Wetter den Plan für den nächsten Tag. Das ursprünglich für heute länger anvisierte Tagesziel haben wir diesmal verworfen und uns für ein kleines Weingut im Rhonetal entschieden.

Wir starten von unserem Übernachtungsplatz, wie gewöhnlich gegen 9:00 Uhr. Nachtanken für „den Rest von Frankreich“ und los geht es auf die A40. An Bourg-en-Bresse vorbei und über Lyon immer Richtung Süden. Das Gewusel um Lyon überwinden wir ohne Stau und siehe da: südlich dieser furchtbaren Stadt aus grauem Beton lugt wieder die Sonne hervor und schnell steigen die Temperaturen auf angenehme 18 Grad. Bei Montélimar verlassen wir die Autoroute und biegen, noch immer bei Sonnenschein und mittlerweile blauem Himmel, nach Osten ab in die Hügel. Fast erinnert uns das Landschaftsbild mit seinen Kiefernwäldern, Buschwerk und Feldern an Regionen in Dänemark. Schließlich erreichen wir in der Nähe von Visan unser Tagesziel: ein kleines Weingut, das nur wenige und zudem kostenlose Stellplätze anbietet.

Der Senior, auf einem Trecker sitzend, sieht uns ankommen. Sicher schon über 80, runzelig und gebeugt, begrüsst er uns freundlich mit einem französischen Redeschwall und ausladenden Gesten: „Wo kommt Ihr Beiden her? Wie heisst Ihr?“

„Ah, oui, Deu-te-schlan-de!“

Auf Anhieb sympathisch.

„Um 5 Uhr heute abend ist Degustation! Kommt ihr?“

Natürlich werden wir hingehen und sicher auch ein paar Flaschen kaufen. Einfach weil es so nett ist, dermaßen freundlich begrüsst zu werden.

Der Blick von unserem Stellplatz: atemberaubend! Über Lavendelfelder und Weinreben blicken wir Richtung Südwest ins Rhonetal, dahinter die Cevennen. Im Herbst, wenn der Lavendel blüht, muss es hier traumhaft schön sein!

Um fünf Uhr gehen wir zur kurzen Weinprobe. Der Alte, wieder mit ausladenden Gesten, redet auf ein junges Deern ein, die ihren Kastenwagen neben uns abgestellt hat. Nach Bachelorexamen gönnt sich die junge Holländerin nun ihr Sabbatical und tourt ganz allein mit ihrem betagten kleinen und nur spärlich ausgebauten Fiat-Fransporter durch die Gegend. Weil sie keine Winterreifen, hat fährt sie eben durch Frankreich nach Italien. Sie will den Stiefel ganz umrunden und von Bari aus eine Fähre nach Griechenland nehmen. Mutiges junges Ding!

Ein Karton leckerer Rotwein wandert ins Mobil, dazu ein Fläschchen Lavendelöl. So ist für alle an Bord bestens gesorgt😉

Ein Glas Rotwein zum frisch zubereiteten Pilzrisotto aus der Bordküche munden beim Anblick eines tollen Sonnenuntergangs über dem Rhonetal hervorragend.

Sonnenuntergang über dem Rhonetal

Nachdem wir unser Etappenziel für morgen revidiert haben, ich erwähnte unser bewährtes procedere bereits, geht es bald in die Koje.

Morgen übernachten wir noch einmal in Frankreich, direkt vor der spanischen Grenze. Unser ursprünglich geplantes Ziel, Roses, werden wir buchstäblich „links liegen“ lassen. Zu hässlich!





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