Am Morgen verlassen wir nach herrlich ruhiger Nacht unseren Stellplatz am Flugfeld. Der Tag hatte mit einem wundervollen Sonnenaufgang begonnen und wir sind voller Tatendrang. Es ist ein schönes Gefühl ein (fast) wieder hergestelltes Mobil zu haben. Zur Sicherheit machen wir unseren Wassertank randvoll, denn wir haben noch keinen genauen Plan, wo heute Nacht und evtl. morgen Abend sein werden. Zunächst geht es die N340 entlang in die Wüste um Tabernas. Dies hatte ich mir schon zu Hause vorgenommen. Auf dem Weg dahin sieht es zunächst ganz ähnlich aus wie im Großteil von Andalusien: karge Landschaft, bewässerte Olivenbäume, soweit das Auge reicht.
Dann aber wird es schon funky: Nahezu die gesamte Vegetation reduziert sich auf niederes, vertrocknetes Buschwerk. Kahle Stellen und Felsen kommen zum Vorschein. Nach wir mehrere ähnliche Lokationen passiert haben, machen wir kurz halt bei Fort Bravo. Hier in der unmittelbaren Umgebung hat Sergio Leone seine Italo-Western gedreht, unter anderem die bekannte Trilogie „für eine Handvoll Dollar“, mit Clint Eastwood.
Heute verdienen sich die Stuntmen von damals, inzwischen wohl im Wesentlichen deren Söhne, in dieser ehemaligen Filmkulisse ihr Geld mit 30-Minuten Shows dieses Metiers. Irgendwie hat man auch das Gefühl, jeden Moment müsste eine Herde Mustangs im Tal auftauchen, doch dann wird es nur ein einsamer F150! Die Western-Show wollen wir nicht wirklich ansehen und so fahren weiter.





Bei Almeria stossen wir auf die Küstenautobahn nach Westen. Oh welch ein Horror breitet sich da vor unseren Augen aus: dichteste Bebauung, Hochhäuser allenthalben und ansonsten ist jedes freie Zipfelchen Boden unter Plastikplanen verborgen. Die Spanier verkaufen ihre Ressourcen optimal: alles halbwegs nutzbare Land dient dem Gemüse- und Obstanbau unter Plastik und was dann vom Land noch übrig bleibt, wird mit Bettensilos vollgeballert. Erst den All-inklusive Massentouristen zuhause jahrein-jahraus mit Obst und Gemüse füttern und dann hier im Urlaub noch abkassieren. Echt clever. Ich bitte meine Leser um Vergebung für diese vermeintlich späte und naive Einsicht. Allerdings habe ich über 30 Jahre lang meine Urlaube wesentlich mit dem Segelboot auf der Ostsee zugebracht. Die Costa del Sol lag da komplett außerhalb meines sichtbaren (Erfahrungs)-Horizonts… Im Leben würde ich, um kein Geld dieser Welt, auch nur einen Tag hier freiwillig Urlaub machen. – Schockiert fahren wir weiter durch bis kurz von Antequera, wo wir, wieder herrlich ruhig, aber diesmal frei stehen. Und auch verrichtet der Wechselrichter seinen Dienst wieder klaglos und das macht uns happy.
Am nächsten Morgen: wir fahren die letzten 200 km bis Sevilla. Damals in Südafrika dachte ich, „Pothole-Chasing“ (Schlaglochjagd) sei dort Nationalsport. Fahrt mal die A92 nach Sevilla. Armes Auto, kann ich da nur sagen! Einen Stellplatz in Sevilla finden wir in unmittelbarer Nähe der Altstadt, am Ufer des Guadalquivir. Mit den Fahrrädern machen wir am Nachmittag eine kurze Erkundungstour über die Brücke in die Stadt.




Naja, eigentlich fahren wir nur über die Plaza de España und direkt in die Altstadt. Da der Himmel es heute nicht gut mit dem Fotografen meint, stimme ich zu. Beim schmackhaften Essen in einer Bodega der Juderia wachsen meiner lieben Frau plötzlich Hörner, die aber ganz nach traditionellem Ibericoschinken aussehen.
Abends stellen wir mit Blick auf den Kalender erstaunt fest, dass wir heute genau einen Monat unterwegs sind. Und trotz des ganzen Schlamassels den wir schon hatten: wir sind immer noch gut dabei und wir haben großen Spass!
Es geht also weiter! 😊
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