Bedingt durch die relative Nähe unseres Stellplatzes zur Altstadt können wir auf Öffis verzichten. Wir „satteln“ also wieder unsere Räder um uns ins Gewusel dieser sympathischen Stadt zu begeben, die so viel zu bieten hat. Am Eingang des Parks, der zur Plaza de España gehört treffen wir auf eine geführte Fahrrad-Sightseeing-Tour, erkennbar an einer großen Anzahl gelber Mietfahrrädern; drauf sitzen Touristen mit einem Knopf im Ohr. An diese Gruppe hängen wir uns frecherweise an und verfolgen sie ein Stück weit.





Bald fallen wir aber in unser eigenes Tempo zurück, auch weil ich die Kamera dabei habe. Wir durchstreifen den Park des Alcazar, der gerade geöffnet wird. Der Verkehr ausserhalb der Parks ist sehr stark und trotz der vielen Velorouten ist das Radfahren nicht ohne: Hauptgrund sind die Unmassen an E-Scootern, die hier offenbar keinerlei Geschwindigkeitsbegrenzung unterliegen, und scheinbar sind alle getunt. Mit einem Affenzahn schlängeln sie sich sich über Rad- und Fusswege, wechseln unvermittelt die Richtung und überholen Dich im Zentimeterabstand. Dazwischen die Massen an Fussgängern, für die die Abgrenzungen der Fahrradwege nur optional sind: in aller Seelenruhe benutzen sie diese auch als Gehweg oder bleiben auch mal für einen Klönschnack mit einem zufällig getroffenen Bekannten mitten drauf stehen. Aber alle sind tief entspannt und trotzdem irgendwie rücksichtsvoll aufeinander. Und oft hört man ein „Perdón!“, wenn man sich mal ausnahmsweise mit der Fahrradklingel Platz schaffen muss. Das Gehupe der Autos, das man aus anderen, besonders südlichen Großstädten kennt, scheint hier jedenfalls schwer verpönt.
Viele Gassen in den Altstadtvierteln sind so schmal, dass wir die Räder über weite Strecken schieben müssen. Am der Plaza de Santa Cruz schliessen wir unsere Fahrräder an einem herrlichen Orangenbaum fest und starten unsere Erkundungstour zu Fuss. Ein verstecktes Mahnmal erinnert hier an das traurige Ende des ursprünglichen Viertels.



Von der alten jüdischen Geschichte des Viertels ist nämlich nichts geblieben, nachdem die Reconquista zuerst Sevilla und dann ganz Andalusien von den Mauren „gesäubert“ hatte. Was folgte, war zunächst die Zwangskonvertierung der Juden zum Christentum, dann im zweiten Schritt ab 1492 die komplette Vertreibung der Juden aus Sevilla und ganz Spanien. Was dann noch an Resten der Bevölkerung mit jüdischen, maurischen und anderen Wurzeln vorhanden war, viel der Inquisition zum Opfer. Und dies, obwohl die hier siedelnden Juden zusammen mit Phöniziern aus Syrien und Libanon und auch den Karthagern seit etwa 300 n.Ch. einen wesentlichen Teil der Bevölkerung der iberischen Halbinsel ausmachten. Macht- und Geldstreben, Skrupellosigkeit, Räuberei, Mord- und Totschlag, religiöses Eifern und Dogma sind die Zutaten zu einer unglaublich brutalen, zerstörerischen und wechselvollen Geschichte Andalusiens.
Homo lupus homini est.
Aber zurück ins hier und heute. Wirklich atemberaubend eng sind hier teilweise die Gassen, unvermittelt stößt man auf einen kleinen Platz, es gibt so viel zu Entdeckern, kleine Läden, Cafés, Bodegas, Tapasbars, daneben eine alte Kirche, eingezwängt in die Häuserreihen, bei der man, bei genauem Hinsehen ihre wechselvolle Geschichte erahnen kann. Drinnen stehen bereits die großen Kruzifixe und Marienaltäre bereit, die in der Semana Santa, der Karwoche, in riesigen Prozessionen durch die Städte getragen werden. Das diesjährige Plakat zur Semana Santa wird in Sevilla heiss diskutiert, wegen seiner angeblich homoerotischen Darstellung des Jesus.




Wir bummeln weiter durch die Gassen, finden eine kleine Pasteleria und holen uns eine Leckerei auf die Hand.






Wir schlängeln uns, im wahrsten Sinne des Wortes, durch zum Parasol Metropole, einer beeindruckenden Holzkonstruktion an der Plaza de la Encarnatión. Mit dem Lift geht es hinauf zu einem phantastischen Rundblick über Sevilla.






Nach soviel Eindrücken darf das leibliche Wohl nicht zu kurz kommen. in einer urigen Tapasbar lassen wir es uns richtig gut gehen und es ist soo lecker, das wir immer neue keine Teller mit kleinen Köstlichkeiten bestellen.



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