Schweren Herzens verlassen am Morgen wir Merzouga in Richtung Norden. Den südlichsten Punkt unserer Rundreise durch Marokko haben wir überschritten. Zunächst führt uns unser Weg noch durch reine Wüste, karg , einsam, staubig. Wenige Autos sind unterwegs, ab und zu sieht man einmal ein Kamel am Strassenrand stehen.




Erst nach einiger Zeit steigt das Gelände wieder an und wir kommen ins Gebirge. Uns beeindrucken wieder die Felsformationen, die das Licht in immer neuen Formen und Farben darstellt.










Das Vorwärtskommen in Marokko ist oft beschwerlich: Mit dem Moped, auf dem Esel oder gar zu Fuß durch die heisse Region des mittleren Atlas unterwegs zu sein ist, gerade im Sommer, kein Zuckerschlecken. Bis zu 35-38 Grad, selbst in den großen Höhen dies Gebirges, sind normal. Wir haben es da besser, die Klimaanlage im Auto ist ein wahrer Luxus.

Unterwegs haben wir wieder einfache, meist improvisierte und halb versteckte Verkaufsstände mit allem möglichem Kram gesehen. Inzwischen wissen wir, dass es in Marokko keinerlei Sozialhilfe gibt. Allein die Preise für Grundnahrungsmittel wie Brot und Mehl sind staatlich kontrolliert und werden subventioniert. So kostet z.B. ein kleines Baguette (500 g) umgerechnet etwa 45 Cent. Auch das Schulwesen bis zu universitären Ausbildung ist in Marokko kostenfrei. Die Gesellschaft ist stark durch familiäre Bindungen geprägt, die Großfamilie erfüllt eine wichtige soziale Funktion, da alle Generationen sich gegenseitig unterstützen und helfen. Im Schnitt ernähren drei Menschen (Männer) in Arbeit alle Generationen einer Familie. Jeder, der keine feste Arbeit hat, muss „eine Idee“ haben, um etwas zu verdienen. Eine Mittelschicht ist in Marokko quasi nicht vorhanden.
Die Straßenhändler betreiben ihre Geschäfte meist illegal, da sie keine Steuern bezahlen. Dennoch wird dies geduldet, da sie Familieneinkünfte erzielen und damit die Gesellschaftsstruktur erhalten. Ein Hauptargument der Regierung gegen staatliche Sozialhilfe ist die Korruption: über die Preisregulierung der Grundnahrungsmittel versucht man, unkontrollierten Geldfluss in Grenzen zu halten. In Deutschland diskutiert man über die Zumutbarkeit einer Geldkarte für Asylbewerber. Damit soll der Mittelabfluss aus Deutschland in die Heimatländer der Empfänger verhindert werden. Manchmal könnten wir vom Ausland noch etwas lernen, so scheint mir.
Unser Weg führt uns heute in die Kleinstadt Errachidia, für uns ein reines Etappenziel, allerdings mit Tankstelle und Supermarkt. Nach mehrstündiger Fahrt erreichen wir die Stadt und ergänzen unsere Vorräte an Kraftstoff und Lebensmitteln.
Ein lokales Hotel, eins für einheimische Gäste und somit ohne Lizenz zum Alkoholausschank, reicht das landestypische Abendessen: Tagine „mit irgendwas“. Mir schmeckt es, die zum Nachtisch gereichten Orangen sind aber steinhart und mit dem stumpfen Messer nicht zu schälen. Also puhle ich sie mit den Fingern auf und esse die Segmente aus der Hand. Ein schwerer Fehler, wie ich am nächsten Morgen schmerzlich feststellen muss. Die Früchte waren sicher nicht gewaschen gewesen und die „Rache Montezumas“ ist durchschlagend. Mit einer ordentlichen Dosis Imodium kriege ich die Sache währende des Tages „in den Griff“. Übrigens ist es in solchem Fall echt von Vorteil, wenn man mit eigenem Badezimmer unterwegs ist.
Weiter führt uns der Weg gen Norden, übers Gebirge. Der Plan ist, am Lake Aguelmam, einem Gebirgssee frei zu übernachten. Erreichen liegt sehr einsam auf fast 2100 Meter über dem Meer, dort gibt es ein ausgesprochen schönes Hotel mit exquisiter Küche, die wir zum Abendessen in Anspruch nehmen wollen. Das Haus ist ein ehemaliger „lost place“, erst in den letzten Jahren aus Naturstein und Zedernholz wieder aufgebaut und einfach eine Augenweide. Wir dürfen davor stehen und geniessen diesen so außergewöhnlichen Ort.








In der Tat ist es dort oben sehr, sehr einsam; nur ein paar wenige Tagesgäste können wir am späten Nachmittag ausmachen. Draussen, dort wo wir stehen, weiden noch echte Nomaden ihre Schafherden und kommen gegen Abend zum offenbar einzigen Wasserhahn der Gegend. Mit ihrem Esel holen sie Trinkwasser in spärlicher Dosis, ein paar Kanister nur, während wir unseren Frischwassertank mit mehreren hundert Liter füllen. Peinlicher Überfluss.

Auf dem Dach des Hotels gibt es ein Storchennest. Gerade mache ich mich auf den Weg, das Paar zu „portraitieren“, als der Hochzeitstanz losgeht!





Das war schon eine grandiose Gelegenheit für einen Knipser wie mich, so etwas „life und in Farbe“ fotografieren zu können. Störche gibt es hier sehr viele, bei uns in Deutschland muss man sie mittlerweile mit der Lupe suchen.
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