Am Morgen geht es weiter durchs Gebirge in Richtung Meknes. An den Nordhängen des Gebirges gibt es die größten Zedernwälder Marokkos. Es ist ein echter Augenschmaus, nach all dem Sand und Fels wieder Grünes zu sehen. Die Schilder an den Strassen bleiben bis zuletzt ein Buch mit sieben Siegeln für uns. Und dennoch waren wir auf der gesamten Reise stets bestens informiert. Hinter dem Schild siehst man den Grund: es gibt überall in Marokko bestes Mobilnetz mit hohen Datenraten, wir hatten kein einziges Funkloch zu beklagen. Das ist für ein Land wie dieses schon bewundernswert!




In den Wäldern leben noch wilde Berberaffen, die gleiche Art wie auf dem Felsen von Gibraltar und im südlichen Afrika. Einige belagern unsere Straße, sie sind aber friedlich und lassen uns passieren. Ganz im Gegensatz zu unseren früheren Erfahrungen mit baboons in Südafrika.




Je weiter wir nach Norden kommen, umso fruchtbarer wird die Landschaft. Grüne Felder, wohin man blickt, alles erscheint schier und gepflegt. Und dann sehen wir tatsächlich unseren ersten Trecker in Marokko! Bislang haben wir nur gesehen, wie die Feldarbeit mit archaisch anmutenden Hacken, grob geschmiedet oder hölzern, erledigt wurde.Rund um Meknès befindet sich das grösste landwirtschaftliche Anbaugebiet mit Korn, Gemüse, Obst und Wein.








Die Häuser sind in Schuss, die Straßen sauber. Der Verkehr in Meknes ist ein einziges Chaos., Hauen und Stechen. Ich bin froh, als wir durch sind, um zu fotografieren war es zu enervierend!
Etwas nördlich außerhalb von Meknes finden wir Quartier auf einem Campground marokkanischer Provenienz. Die Gegend ist wunderschön, für den Rest gibt es nur ein „silentium triste“! Zum Glück benötigen wir von den vorhandenen Einrichtungen nur Strom und die ekelige Entsorgung, ansonsten sind wir komplett unabhängig. Ist besser so, gerade nach meinem soeben überstandenen Thema.
An unserem vorletzten Tag in Marokko besuchen wir noch die alte Königsstadt Meknès. Neben Marrakech, Rabat und Fes, die vierte im Bunde in der wechselvollen Geschichte Marokkos. Unser sehr kompetenter Führer, ein studierter Biologe, spricht in nahezu akzentfreiem Deutsch, das er am Goethe-Institut gelernt hat. Wir beginnen unseren Gang durch die Stadt am imposanten Bab Mansour, einem der großen Eingangstore in die Königstadt, die Medina. Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch der Grabmoschee mit dem Mausoleum von König Moulay Ismail, sie darf auch von Nichtmuslimen besucht werden. Eine Seltenheit. Moulay Ismail wird bis heute von den meisten Marokkanern sehr verehrt, obwohl ihm ungeheure Grausamkeit nachgesagt wird. Er hatte um 1720 neben seiner Ehefrau einen Harem von über 500 Frauen, welche ihm mehr als 500 Söhne und zahllose Töchter gebaren. Ein fleissiger und machtbewusster Mann, also.


















Eine Medina ist weit mehr als nur ein Souk, sie ist Lebensort, gelebte orientalische Tradition und wichtiges Bindeglied in der sozialen Gemeinschaft einer Stadt im Orient. Wir schlendern durch die engen Gassen und lassen uns einfach treiben. Meknès ist im Gegensatz zu Marrakech ruhiger, weniger laut, weniger marktschreierisch. Nicht unsympathisch.
Unser letzter Abend in Afrika wird lustig, wir sitzen noch eine Weile draussen zusammen und klönen über die vergangenen Wochen mit ihren beeindruckenden Erlebnissen und den vielen netten Menschen, die wir kennenlernen durften. Danke Moha, Said, Hassan, Fatima und all ihr anderen!
Es wird der erste „weißt Du noch?“-Abend, und gewiss wird es nicht der letzte bleiben!
Die verbleibenden Kilometer bis zum Hafen Tanger Med sind in wenigen Stunden abgeritten. Noch einmal gewährt uns ein Storchenpaar von einem Mast aus einen Blick auf ihr Kinderzimmer. Gleichmäßig rollt das Mobil über die gut ausgebaute Autobahn. Eine letzte Mautstation, knapp 13 Euro für etwa 200 Kilometer, dann ist er da, der Hafen. Passkontrolle, Zoll („no dogs“?!?) die obligatorische Röntgendurchleuchtung der Autos. Schnell, schnell, als letztes Auto auf die volle Fähre – und schon bleibt Afrika achteraus zurück. Delfine begleiten uns ein kleines Stück zurück nach Europa.




Es heisst, wer einmal in Afrika war, der kommt zurück.n Wir können diesen Wunsch nur bestätigen. Ein sehr schönes, geschichtsträchtiges Land, von kargem Rot bis üppigen Grün, ärmlich bis wohlgenährt, heisse Tage, kühle Nächte. Ein Land voller Gegensätze, orientalisch fremd bis europäisch vertraut. Said, unser Führer in Meknès sagte: Marokko ist ein Land wie ein Baum: mit seinen Wurzeln in Afrika, mit Stamm, Ästen und Blättern in Europa, das nur 14 Kilometer entfernt ist.
Wenn wir können, werden wir wiederkommen. Ganz bestimmt!

Europa, erst einmal hast Du uns wieder!
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