Grimaud, Bucht von Saint-Tropez

Heute ging es in die Bucht von Saint-Tropez, nach Grimaud, gegenüber dem berühmten Fischerdorf der Millionäre.

Diese Etappe war lang. Eigentlich nicht so schlecht, aber der Verkehr zwischen Nimes und Aix-En-Provence war zäh, Freitagsstau eben. In Grimaud haben wir auf Camping Les Mures vorreserviert. An der Côte Azur gibt es einige Plätze, an denen fahrendes Volk geduldet wird, andere, wie Nizza zum Beispiel, sperrt Zigeuner wie uns komplett aus. Les Mures, ein Campingplatz typisch französischer Provenienz, bietet verschieden großen Parzellen – unsere liegt, fein und riesig weil XL Format, in der hintersten Ecke zum Weinberg hin. Still und gut, so wie wir es mögen. Auf schön ebenem Boden können wir unser Auto parken, angenehm, denn unsere Hubstützen sind ja noch kaputt. Wir kaufen ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt des Platzes ein und spazieren kurz zum Strand, zu mehr kommen wir heute nicht mehr. Sanni kocht abends ein schnelles Pastagericht, dann ist Ausschlafen angesagt.

Am nächsten Morgen gibt es frische Croissants und ein Baguette vom französischen Bäcker. „Eccht lekkr“ würde ein Holländer sagen, und auch uns schmeckt das ausgiebige Frühstück, welches wir uns heute, nach den Etappen der letzten Tage, gönnen. Wenn ich eine weite Strecke vor mir habe, mag ich nicht mit vollem Magen starten. Ein Kaffee genügt mir dann. Unterwegs gibt es dann mal eine Banane und ein, zwei Handvoll Nüsse. Aber heute frühstücken wir wie die Könige: Brot, Käse, Wurst, Müsli, Joghurt und Kaffee. Mhmm!

Wir machen die Räder fertig und tüdeln uns warm an, denn inzwischen weht es ordentlich aus Ost. Wir wollen nach Saint-Tropez, denn wir beide waren noch nie dort. Rund um die Bucht führt eine zweispurige Fahrrad-Schnellstrasse, sehr angenehm und anfangs haben wir ja auch Rückenwind. Wir sind ungefähr eine Dreiviertelstunde unterwegs bis S-T.

Näher bei der Stadt, eigentlich ist es ein altes Fischerdorf, häufen sich die teuren Sportwagen auf der Strasse, gelenkt von spätpubertären Kerlen. Bei jedem noch so kurzen Stück freier Strecke, lassen sie ihre Motoren ordentlich aufheulen, um es dann, beim Gas wegnehmen, ordentlich im Auspuff knallen zu lassen. Kindisches Gehabe – aber wenn‘s Spass macht! „Wat gah‘n mi de Lüüd an“, secht si de Olanner und wendet den Blick ab.

Überhaupt ist Saint-Tropez nichts Besonderes, finden wir. Die Bebauung ist generell in eher mäßigem bis schlechten Zustand, die unteren Fassaden in den Geschäftsstraßen sind mit ein bisschen Farbe aufgemotzt und bieten völlig überteuerten Geschäften einen „exklusiven“ Rahmen. Klar, im alten Hafen schwimmt jede Menge dickes Geld an der Kaye. Auf welche Weise es gescheffelt wurde, möchte man lieber nicht wissen. Warum fällt mir das gerade angesichts dieser Oligarchen-Yachten aus Malta, Zypern, Monaco, ein?

Einen Lichtblick gibt es für einen alten Segler wie mich aber doch noch: es gab wohl eine Oldtimerregatta! Einige wunderschöne Holzyachten liegen an der Pier, die Crews entspannt, unter dem nassen, zum Trocknen aufgehängten Ölzeug sitzend, ihren Champagner schlürfend. Leider sind diese herrlichen alten Segeldiven so zwischen den Milliardärsprotzyachten eingezwängt, dass kaum ein schönes Foto gelingt.

Die Nobelrestaurants am Hafen sind voll, auf den Strassen drängt sich das einfache Volk wie wir, „Sehleute“ eben. Nach kurzer Erkundungstour durch das Städtchen machen wir uns an die windige Heimfahrt, das längere Stück zum Glück „vor dem Wind“. Kaum sind wir beim Mobil angekommen und haben die Räder verstaut, fängt es an zu schütten. Es regnet die ganze Nacht hindurch, bis zum frühen Morgen des nächsten Tages.





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