Nachdem wir am Dienstagmorgen unsere übliche Abfahrtsroutine (Frischwasser und Entsorgung) hinter uns gebracht haben, verlassen wir diesen Camping, der uns wirklich gut gefallen hat. Sehr individuelle, abgeschirmte Stellplätze alles sehr schön eingewachsen unter hohen Bäumen. Ein herrliches Vogelgezwitscher begleitete uns durch den Tag. Zunächst aber brauchen wir einen Supermarkt. Ein riesiger Einkaufskomplex dient uns als Catering-Stop. An der zugehörigen Tankstelle hatten wir und schon in die Schlange der Wartenden eingereiht, da fällt mein Blick auf das Schutzdach über den Zapfsäulen: 2,90 Meter! Das sind 60 cm zu wenig für unser Auto. Zum Glück habe ich das Schild noch rechtzeitig gesehen, das wäre übel ausgegangen, denn es sah eigentlich hoch genug für uns aus. So kann man sich täuschen! Schleunigst verlassen wir den Ort unserer Beinahekatastrophe…
Als heutiges Ziel hatten wir uns ein kleines Weingut vor den Toren von Nantes ausgesucht. Die erste Übernachtung dort ist umsonst, die Teilnahme an einer abendlichen Weinprobe allerdings erwünscht. Nun gut, uns fehlt ohnehin mindestens ein einfacher Muscadet an Bord, also alles paletti!
Wir dürfen unser Auto im Obst- und Gemüsegarten der Familie von Y abstellen. Dort gibt es eine Handvoll Stellplätze, mit Strom, gegen einander separiert durch angedeutete „Heckchen“. Wir sind die ersten Ankömmlinge und bald gesellen sich noch zwei Mobile dazu: eines mit britischem, das zweite mit dänischem Kennzeichen. Zu sechst bestreiten wir später die Weinprobe beim Hausherrn Y. Unverhofft kommt ja bekanntlich oft, denn die Veranstaltung wird unglaublich lustig, die beiden irischen Freundinnen (die mit dem englischem Auto) sind unglaubliche Ulknudeln, das dänische Ehepaar ist nicht weniger schlagfertig.



Der Däne hat sein Leben bei der Marine verbracht, er war dort Minentaucher. Y stellt sich als sprachgewandter, gebildeter Winzer mit interessanten Ideen heraus, Er spricht neben Französisch Englisch, Spanisch, ein bisschen Deutsch, Schwedisch und Italienisch. Nicht perfekt, aber für eine Weindegustation mit ausgiebigem Smalltalk und jeder Menge Jokes reicht es allemal. Wir lernen einiges über seinen Loriewein, die Böden hier, und über das lokale Kellereiwesen. Dazwischen wird viel gelacht (und eifrig probiert).
Nach und nach treffen ein paar Nachbarn von Y ein, die hier offenbar Gastrecht geniessen. Man geht an den Getränkekühlschrank und bedient sich mit ein paar Gläschen vom einfachen Kneipwein. Ein lockeres Palaveri, jeder mit jedem erfüllt den Raum alle sind bei bester Laune. Cheerio, santé, skol, kipis, nastrowie, yamas, prosit, alle bekannten Toasts werden zitiert. Heimelig, sympathisch, sozial bewundernswert empfinde ich solche Nachbarschaft, sowas hätte ich auch gerne zu Haus. Und ein Weingut dazu wäre auch nicht schlecht!
Y muss heute noch zum Elternabend seiner drei Kinder. Er überlässt uns seinen Tresen im Probierkeller (und lässt genügend offene Weinflaschen für uns stehen!) und wir sitzen noch eine ganze Weile, plaudern, trinken, lachen…
Am nächsten Morgen werden die Weinkäufe des Vortages in den Autos verstaut, das Auto der Irinnen ist jetzt deutlich überladen und die Federung des betagten Gefährts gibt klagende Seufzer von sich. Auch in unserem Mobil findet sich fortan ein Handvorrat von Loirewein, Es gibt innige hugs and kisses und gute Wünsche zum Abschied, denn uns allen hat der gemeinsame Abend hier gut gefallen Dann geht es für uns alle auch schon los, leider in verschiedene Himmelsrichtungen.
Unser Ziel liegt in Sud-Ouest, die Insel Ile de Ré.



Wir kommen zügig voran und nach zwei Stunden liegt die Brücke zur Ile de Ré vor uns. Unser Platz im Nordwesten der Insel liegt nur ein paar Kilometer vom Pháre de Baleines im Nordwesten entfernt. Wir stellen unser Auto auf den Platz und schwingen uns auf die Räder. Einen kurzen Besuch der nächsten Strandbar haben wir uns vorgenommen. Auch den Sonnenuntergang, der erste am Atlantik auf dieser Reise, geniessen wir aus vollem Herzen.


Saint Martin de Ré heisst das Ziel unserer Radtour am nächsten Tag. Das Wetter ist wirklich prächtig, wir erreichen heute die 27 Grad. Die Tour führt uns über die Insel nach Südost, gute 18 Kilometer einfache Strecke, eine leichte Übung also. Wir radeln durch herrliche Landschaft, vorbei an Salzbecken, aus denen das weiße Gold der Ile de Ré gewonnen wird: Meersalz. Die Tide hier ist ähnlich wie bei uns zu Hause, wohl um die vier Meter ist der Hub geschätzt.






Saint Martin, wir hatten keine Vorstellung was uns erwartet, erweist sich als ein Kleinod.









Auf dem Rückweg können wir einer Austernbar am Strand nicht widerstehen. Für S gibt es Crevetten, für mich die ersten Austern auf dieser Reise. Dazu einen lokalen Wein von der Insel, herb, mit deutlich salziger Note im Abgang, passt perfekt zu Seafood. Lecker!





Abends machen wir vom Mobil aus noch einen kleinen Ausflug zum Leuchtturm. Es wird ein ganz besonderen Sonnenuntergang.




Ars en Ré, das Dorf nebenan, nur drei Kilometer von unserem Platz hat laut Google einen kleinen Supermarkt. Also packen wir am nächsten Morgen unseren Fahrradanhänger aus der Garage und radeln los. Dort angekommen stellen wir fest, dass der tägliche Markt dort vieeel interessanter ist. Also decken wir uns dort mit einigen Leckereien für den Abend ein, vom Supermarkt gibt’s nur Mineralwasser.




Morgen früh geht es weiter nach Arcachon.
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