Am Sonntag starten wir früh aus dem Münstertal. Früh heisst für uns: um 09:00 Uhr geht es los. Wir schreiben den 18. Februar. Über den Rhein bei Neuenburg gehts nach Frankreich. Ich bin froh, dass direkt hinter der Grenze unser Maut-Transponder von Gelb auf ein grünes Bereitschaftslicht wechselt und damit signalisiert, dass er in Frankreich seinen Dienst zu verrichten gewillt ist. Schön, wenn neue Technik an Bord mal auf Anhieb funktioniert. ;-)) Gemächlich trödeln wir an Belfort und Besançon vorbei durchs Département Jura. Die mautpflichtigen Autobahnen in Frankreich sind so leer, wie sie in meiner Erinnerung früher schon waren. Bei Dole wechseln wir auf die A39 und bald ist die Bresse erreicht. Ja, genau, die mit den Hühnern. Bei den Franzosen heissen die Bressons auch „Gelbbäuche“. Der Name rührt wohl daher, dass die Bewohner dieser Region in früheren Zeiten Maismehl anstatt Getreidemehl für ihre Speisen verarbeiteten. Mais war stets unabdingbares Futter in der Haltung von Bressehühnern. Beim Menschen entfaltet das im Mais enthaltene Antioxidans offenbar die gleiche Wirkung wie beim Federvieh: die besagte Gelbfärbung. Lustig.
Wir passieren die Raststätte „Aire de Poulet de Bresse“ dort steht die riesige Skulptur eines dieser edlen Federviecher. Bei dem Anblick kommt mir ein früheres Kochevent mit unseren Freunden A+P in den Sinn. Über das Resultat muss ich heute noch schmunzeln: ein damals sauteuer erstandenes Bressehuhn verdarb elendig in einem Nebel aus Salzstaub. Eigentlich hätte sich das Mineral im Backofen in eine harte Salzkruste verwandeln sollen. Aber so funktionierte es eben nicht, ganz im Gegensatz zu den vollmundigen Ausführungen im Rezept des französischen Nobelkochs. Naja, wir hatten auch nicht das richtige Salz dafür bekommen …
Witzig, was einem so in den Sinn kommt, auf langen Autofahrten.
Wieder begleitet uns tagsüber ein wenig Sonne und wir hoffen schon, unseren heutigen Übernachtungsplatz bei Sonnenschein zu erreichen. Aber es wird wieder nichts. Dafür wird es mit jedem Kilomater, den wir weiter Richtung Süden kommen, ein kleines bisschen grüner. Ganz besonders fallen mir die ungeheuren Mengen von Misteln auf, die in den Bäumen rechts und links der Autobahn wachsen. Miraculix, der Druide, hätte hier viel Arbeit bei seiner Ernte.
Während unser Navi uns nach der Autobahnfahrt auf abenteuerlich kleine und höchst desolate Strässchen führt („Chaussee Déformée“, Kilometerlang), zieht sich der Himmel wieder zu. Auf gutes Fotolicht muss ich wohl bis zum Mittelmeer warten. Vorbei an Höfen mit riesigen Geflügel-Gehegen kämpfen wir uns über abenteuerliche, immer schmaler werdende Fahrwege, die den Namen „Straße“ schon langer nicht mehr verdienen.



Dafür ist, wohl als Entschädigung, unser heutiger Übernachtungsplatz (er liegt direkt am Flüsschen Reyssouze und unter Bäumen), ein „Träumchen“ für Leute wie uns. Mit nur zwei anderen Autos verbringen wir die Nacht hier mitten in der Natur und in tiefster Dunkelheit.
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