Nota bene für diejenigen unter Euch, welche unsere neuen Blogbeiträge bislang nur direkt in der email Benachrichtigung lesen:
Mit einem Klick oben links auf „anders reich reisen“ gelangt ihr direkt auf die Webseite. Warum das eventuell interessant sein könnte? Nun, die Bilder von uns in den Beiträgen sind immer als Galerien eingefügt. Auf der Webseite kann man sie sich durch Klicken vergrössern und durchblättern😊
Gestern sind wir hier angekommen, nach etwas über 500 km Fahrt. Für mich ziemlich viel Strecke am Steuer. Die Fahrt, zunächst an der Küste nach Süden bis Murcia, dann über die Sierra Nevada Richtung Granada. Die Sierra zieht uns mit ihrer ganz besonderen Landschaft sofort in ihren Bann. Hohe Berge, kahle Hänge und unerwartete Einsamkeit beherrschen hinter Elche die Landschaft. Nicht weit davon zeigen sich in der Ferne die ersten schneebedeckten Gipfel. Ein eigenartiger Glanz liegt über Schnee und Eis auf der Gipfeln, fast so als lägen sie unter einer Wachsschicht eingeschlossen. Irgendwie matt und doch glänzend im Sonnenlicht. So habe ich das noch nie wahrgenommen. Nachdem Auf und Ab über die Sierra wind wir endlich da.
Unser Stellplatz liegt in einem Vorort von Granada, wieder aufgrund von Sicherheitsüberlegungen gewählt. Einerseits nahe genug an der Stadt, andererseits weit genug außerhalb, dass es uns vernünftig erscheint. Ruhig, abgeschieden, sicher eben. Aber wirklich schön ist eben etwas anderes. Aber das kennt ihr ja schon vom letzen Mal. Früh am Abend ging es gestern Abend in die Koje, die Fahrt war, wie gesagt, anstrengend genug.
Heute morgen vom Mobil zu Fuß zur Bahn in 8 Minuten. Der Fahrpreis in die Stadt, Fahrzeit ca. 30 Minuten: lächerliche 35 Cent pro Person! Unglaublich, wenn man sich die Diskussionen um den deutschen sog. „ÖPNV“ vor Augen führt. Und dabei ist es hier in den Bahnen und auf den Bahnhöfen (wie uns übrigens schon in Valencia aufgefallen) alles blitzsauber, neu und äußerst gepflegt. irgendwie legen wir in Deutschland unsere Prioritäten schein bar auf anderes, wichtigeres?!


An der unterirdischen Station Recogidas steigen wir aus. Zum Zentrum rund um die Kathedrale sind es nur ein paar Gehminuten. Der Samstagmorgen ist für südeuropäische Verhältnisse noch recht jung, und wir sehen Menschen, keine Touristen, die mutmaßlich nicht zur Oberschicht zählen und ihrem Tageslauf folgen. Nicht zum ersten Mal auf dieser Reise sehen wir mit Demut auf unser Privileg, unsere Tagte frei und unabhängig, nach unserem eigenen Gusto bestimmen zu dürfen.

Wir besichtigen die Kathedrale Santa Maria del la Encarnación. Ihr Bau wurde durch Königin Isabella von Kastilien nach dem blutigen Sieg der Reconquista über die Mauren 1492 verfügt, aber erst 1523 wurde der Grundstein für die eigentliche Kathedrale gelegt. Zuvor hatte man aber bereits die Cipella Real, die Grabkapelle des Königspaares Ferdinand und Isabella errichtet. Die Kathedrale selbst ist eine riesige, imposante fünfschiffige Renaissance-Basilika. Die erwähnte Cipella Real sowie eine weitere Kirche, die Iglesia de Sagrario sind direkt an die Basilika angelehnt und bilden so einen einzigen Baukörper. das Innere der Kathedrale ist mit einem Wort: beeindruckend!








Allerdings muss man dabei davon absehen, was der Grund für ihren Bau war:
Der Sieg der Reconquista über die Mauren. Um diesen Sieg ultimativ zu dokumentieren, wurde sogar die neue Kathedrale auf den Fundamenten der geschleiften alten Moschee geplant. Die vollständige Demütigung der Unterlegenden setzte einer Jahrhunderte lang währenden und weitestgehend friedlichen Koexistenz der drei monotheistischen Religionen ein schreckliches Ende. Auch den 17000 Juden, die bis dato unbehelligt in Granada gelebt hatten, wurden grausam und vollständig vertrieben. Die prosperierende Entwicklung von bildenden Künsten, Naturwissenschaften, Medizin und friedlichem Handel miteinander wurde durch diesen furchtbaren Fausthieb beendet. Sinnbildlich für diese Grausamkeiten steht hierfür die glorifizierende Darstellung auf dem Altarbild über dem Grab des heiligen Cecilio, des Schutzpatrons von Granada: auf dem goldenen Relief tötet das Pferd des Kriegsherrn die unter ihm liegende Gestalt eines maurischen Soldaten. Selbst die Biibliothek der maurischen Universität liess der neue Erzbischof von Granada schleifen und alle dort vorhandenen Bücher auf der Plaza Bib-Rambla öffentlich verbrennen, im irrigen Glauben, es handele sich um Koranschriften. In Wahrheit gingen dort wissenschaftliche Werke von unschätzbarem Wert in Flammen auf.
Was dann noch folgte, war das dunkle Kapitel der „heiligen Inquisition“.
Natürlich darf nicht vergessen werden, dass mit dem Sieg über die Mauren hier in Granada auch der Grundstein für das moderne Spanien gelegt wurde. Und die Wiederentdeckung Amerikas durch Christoph Columbus wurde durch die grosszügige Vorfinanzierung von Königin Isabella überhaupt erst möglich.
Nach so viel Prunk wollen wir wieder an die Luft. Wir wenden uns gen Nordost und wollen ins Albicin, das alte muslimische Viertel. Ein verwirrendes Labyrinth aus Gassen und kleinen Plätzen. Vertraut südeuropäisch mit zarten Anklängen an orientalische Sucks. Kleine Läden, Strassenhändler, Cafés, Shishabars und exotische Restaurants reihen sich in atemberaubender Dichte aneinander. Es ist voll, es ist eng und es ist einfach wunderbar! Wir schwimmen mit dem Strom, lassen uns treiben und geniessen diese einzigartige Mischung.












Ohne es wirklich bemerkt zu haben sind wir immer weiter den Berg hinauf gekommen. Auf einmal wird uns gewahr, das wir nicht weit vom Mirador de San Nicolás entfernt sind. Also, nichts wie hin. Der Platz neben der Kirche ist ein Hotspot für junge Leute mit einem tollen Blick auf die Alhambra. Es ist rappelvoll dort, zwei Gitarristen spielen tolle Musik, eine Kommune von Althippies verkaufen selbst gemachten Silberschmuck und Gürtel und rauchen dabei tolles Zeugs, das verführerisch duftet. Eine tolle Atmosphäre!

Hinterlasse einen Kommentar