Womit haben wir denn das verdient?

Am Freitagabend begann der Dauerregen! Für den Moment war ich froh, die Arbeiten am Auto erledigt zu haben. Sintflutartige Güsse lassen in Minuten die kleine Finca bei Malaga in einem üblen Baggermatsch untergehen. Die ganze Nacht und über folgenden den Samstag hinweg, bis in die Nacht zum Sonntag, regnet es in einer Tour. Endlich, am Sonntagmorgen hört dieses Schietwetter auf, gut so, denn wir wollen ja heute los nach Cordoba. Saane steht auf, um den Morgenkaffee zu bereiten. „Schatz, die Kaffeemaschine geht nicht“ höre ich aus der Pantry. „Dann ist bestimmt der Landstrom weg, nimm den Wechelrichter“, antworte ich zunächst aus der Koje, stehe dann aber doch gleich auf. Der Inverter tut es leider auch nicht und eine leise Vorahnung treibt mich nach draussen vors Mobil. Dort höre ich von den wenigen Nachbarn ringsum, dass sie alle bereits eine kaputte Elektronik festgestellt haben – es gab wohl in der Nacht eine Überspannungsspitze über das Stromnetz und traf alle Mobile die am Landnetz hingen! Mit Schrecken stelle ich fest, das auch bei uns im Auto die gesamte Elektrik tot ist: Wechelrichter stinkt beim Einschalten und geht nach 5 Sekunden aus, Heizung streikt, Kühlschrank läuft nur noch auf Gas, 12 Volt Ladegerät abgeraucht und Platine verschmort, Laptop startet nicht mehr, Kaffeemaschine stinkt zum Himmel, grand maleur du kack!!! War die Sch… mit dem Hubzylinder denn nicht genug? Muss das denn auch noch sein? Und war`s das jetzt mit Marokko? Nach all den „Manana“-Erfahrungen mit Handwerkern in Spanien liegt das nicht im Bereich des Unmöglichen, denn mit DEM Schlitten können wir definitiv nicht fahren. Saane ist einem Nervenzusammenbruch nicht fern und ich nicht weit weg von einem Tobsuchtsanfall! Eine hektische Suche nach Lösungsmöglichkeiten beginnt, dieweil die gesamte Finca über Stunden ohne Strom ist, insofern ist eine fundierte Schadensanalyse an keinem Auto möglich ist. Einem Belgier, der hinter uns mit seinem fetten Niesmann&Bischoff Mobil steht, schwellen die Zornesadern am Hals.

Nach Abwägen aller möglichen Optionen im Raum Mallaga entscheiden wir: zurück nach Alicante. Dort ist der einzig für uns erreichbare Carthago Händler, er scheint auch eine kleine Werkstatt zu haben. Besser als nix und nicht mehr als ein Strohhalm! Die zwei anderen sind noch weiter weg, im Baskenland. Also mal eben 500 km zurück, in die falsche Richtung. Schweigend fahren wir über die Sierra Nevada, an Granada, Guadix und Lorca vorbei gen Norden. In den Hochlagen hat es heftig geschneit, an den Waldrändern neben der Autovia stehen frische Schneemänner, gebaut wohl von Sonntagsausflüglern. Unsere Stimmung ist auch unter Null. Wir suchen uns einen Übernachtungsplatz bei Murcia. Der ist gut ausgestattet und fast leer. Ich schiebe das Landstromkabel durch das Fahrertürfenster und stecke eine Steckerleiste dran, so können wir wenigstens Router und iPhones über Nacht laden. Morgen früh um 9 Uhr wollen wir in Alicante beim Händler vor der Türe stehen. Das gelingt uns auch, zumindest fast. Der Disponent zeigt uns die kalte Schulter, ist aber wenigstens bereit, den Werkstattchef zu holen, damit er sich unsere Leidensgeschichte anhört. Er kommt und erklärt sogleich, dass sein Terminkalender völlig überfüllt ist und wir keine Chance vor Donnerstag – nächster Woche – haben, einen Termin zu kriegen. Verzweifelt versuche ich, ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen: „Sir, it Takes only two minutes for me to show you, what our problem is!“ Er lässt sich erweichen und auf dem Weg zum Mobil erkläre ich ihm: Kein Steckdosenstrom, Ladegerät definitiv kaputt! Er nickt verstehend Beim Auto angekommen beugt er sich kopfüber in den Doppelboden und betastet dort den Wechselrichter. Erklärend stammelt er: „There’s some Kind of Reset-button, in case the switching relay hangs!“ Das es sowas gibt, steht in keinem User Manual und bei der Übergabe-Einweisung des Fahrzeugs wurde dieser Punkt dezent ausgeblendet. Er findet blind den Knopf und haut mit Wucht wohl so 30 mal darauf herum. „Now drive your car to the Gate of our Workshop“ dirigiert er. „I want do see, if Mains supply not works again“ . Und tatsächlich: die Steckdosen haben wieder 230V, auch mit dem Wechelrichter. Für seine Bemühungen will er noch nicht einmal etwas haben. „Try to find the spare part for your Charger, it’s a camper standard, bring it, and I will install it, within 20 minutes, you don’t have to wait, no big ideal, they have just two cables“, rät er uns dann noch. Hocherfreut und nach einem ordentlichen tip steigen wir wieder ins Auto. Etwas südlich, in Elche, gibt es noch eine große Werkstatt, in der wir – Wunder über Wunder – auf Anhieb fündig werden. Gleiches gegen Gleiches auszutauschen, traue sogar ich mir zu, und wir kehren nicht zurück zu unserem Helfer in der Not, sondern brechen wieder auf gen Süden. Vorher konsultieren wir noch ein Einkaufszentrum und erstehen eine Ersatz-Nespresso, denn die alte stank schon beim Einschalten erbärmlich nach „verkokelt“.

Für die Nacht und den nächstenTag finden wir einen netten Stellplatz zwischen Cartagena un Almeria. Es ist ein kleiner Privatflugplatz, dort stehen wieder nur eine Handvoll Mobile und es ist herrlich ruhig. Genau der richtige Ort für uns um runter zu kommen und die anstehenden Reparaturmassnahmen zu erledigen.

So, nun ist alles am Auto wieder soweit in Schuss, selbst mein Macbook hat Selbstheilungskräfte bewiesen. Ich belohne mich mit einem Spaziergang und finde einen lost place.




3 Antworten zu „Womit haben wir denn das verdient?”.

  1. Avatar von Norbert und Claudia Fisches
    Norbert und Claudia Fisches

    Ohwe, Ihr Armen, das ist doch zum Mäusemelken… 

    <

    div>Wir drücken ganz fest die Daumen, dass es jetzt nur noch sonnig, trocken und pannenfrei weitergeht! Vielleicht kann man so e

    Gefällt 1 Person

  2. Avatar von Martin Blessing
    Martin Blessing

    Uffffff

    aber: Ende gut, alles gut

    Gefällt 1 Person

  3. außerdem, think positive, die Spanier freuen sich mächtig über jeden Regen, gönne denen doch auch was…

    Like


Hinterlasse einen Kommentar