
Sonntagmorgen, wir brechen früh auf. Unser heutiges Ziel ist Jerez, nur etwa 90 km von Sevilla entfernt. Die Sonne scheint und es ist herrlichstes Reisewetter. Tanken, Addblu noch in Sevilla, unser Kraftstoffverbrauch auf dieser Tour liegt bei 10,2 Liter/100 km, kein schlechter Schnitt bei unserem Gewicht und unserer Strecke mit den ordentlichen Bergetappen. Gegen Mittag sind wir auf unserem Stellplatz angekommen und Pablo, der freundliche Platzinhaber begrüsst uns mit einem sehr ordentlich gefüllten Gläschen Cherry direkt aus dem Fass. Natürlich verkauft der seinen trockenen Oloroso auch in der Flasche, denn „Anfüttern“ der Neuankömmlinge gehört wohl zu seiner Geschäftsidee. Wie dem auch sei, wir finden die Geste irgendwie nett. Und natürlich hat er uns sofort davon überzeugt, angesichts Geschmack und Preis, gleich ein Fläschchen für die Bordbar zu mitzunehmen.
Es ist warm in Jerez, heiss für norddeutsche Verhältnisse: etwa 27 Grad, weshalb wir eine Siesta einlegen und erst gegen Abend in die nahe Stadt radeln. Auch hier sind, wie wir so häufig in Spanien erlabt haben, die Radwege super ausgebaut und in Schuss!




Die Altstadt rund um Kathedrale und Alcazar sind heute brechend voll. Nach einer Weile dämmert es uns, nachdem wir die herausgeputzen Familien mit ihren stolzen Sprösslingen näher in Augenschein genommen haben: hier war heute Erstkommunion! Unseren ursprünglichen Plan, die Kathedrale zu besichtigen streichen wir, da die Abendmesse bald beginnt. Essengehen hat auch wenig Sinn, die Restaurants sind noch übervoll. Also radeln wir gemächlich nach unserem Rundgang zurück zu unserer mobilen Heimstatt.
Für Montag hatten wir echtes Glück, noch so kurzfristig eine Führung in einer Cherry Bodega zu bekommen, eine der wenigen, die montags Führungen anbieten. Und diese Führung startet mittags um 13:00 Uhr!







Als wir den Stellplatz bei Pablo verlassen, steht in der Einfahrt dieser toll erhaltene Renault R4. Da nur noch Wenige wissen, dass es neben Käfer. 2CV auch noch dieses Studentenauto gab, nehme ich das Foto hier mit auf.
Doch nun zum eigentlichen Thema, dem Cherry: Die Herstellung dieses Südweins ist streng auf das Gebiet rund um Jerez limitiert.
Die Region rund um Jerez wurde im 19. Jahrhundert durch den Cherry aus einer tiefen und langen Rezession befreit. Die Engländer und auch die Neue Welt entdeckten den Cherry als Modegetränk für sich. Ein Boom, der bis heute anhält. Cherry ist ein geschützter Name für einen verstärkten Weißwein, der ausschliesslich in einem festgelegten Gebiet rund um Jerez angebaut und hergestellt werden darf. Über 95 Prozent des weltweit verkauften Cherry wird aus der Palomino-Traube gekeltert.
Ausgebaut wird Cherry auf zwei unterschiedliche Weisen: entweder durch sog. biologische oder durch oxidative Reifung. Beim biologischen Ausbau reift der Cherry unter einer Florschicht aus eigener Hefe, bei der oxidativen Methode wird mit destilliertem Brantwein aus der gleichen Traube auf 17 bis 20 Prozent aufgespritet um die Florhefe abzutöten. Ob ein Cherry ein Fino (biologisch) oder Oloroso (oxidativ) wird, entscheidet der Kellermeister. In jedem Fall werden immer unterschiedliche Jahrgänge miteinander verschnitten. Dies geschieht folgendermaßen: aus den ältesten Fässern im Keller wird ca. 1/3 Menge entnommen, die aus den darüber gestapelten Fässern jüngerer Jahrgänge (normalerweise drei verschiedene) jeweils ersetzt werden.
Wie kompliziert das jeweilige Verfahren auch sei, das Ergebnis, egal ob Fino, Amontillado, Oloroso, Palo cortado, oder die Cream Cherries, schmecken zu diversen Anlässen ausgezeichnet.
In Jerez darf man den Besuch der königlich-andalusischen Reitschule auf keinen Fall verpassen. Selbst dann nicht, wenn man, wie ich, unter einer nicht zu verachtenden Tierhaar-Allergie leidet. Egal, mit ausreichend „eingeworfenen“ Anti-Histaminika wage ich mich in die imposante Hofreitschule. Auf andalusischen Pferden werden in der hochklassigen Vorstellung alle Lektionen, bis zur Hohen Schule gezeigt.
Entgegen aller Befürchtungen überstehe ich die Vorstellung ohne akuten Asthma-Anfall, allerdings schiessen mich die eingenommenen Pillen abends derart ab, dass der Abend für mich gelaufen ist, ich verfalle in komatösen Tiefschlaf.









Hinterlasse einen Kommentar