„Oh Lord give us patience, ……. BUT HURRY!!“

Es ist einfach unglaublich, was wir hier aktuell an Wetterchaos erleben: Seit drei Tagen sind wir hier in Tarifa, morgen geht ja unsere Fähre, und wir sitzen mittendrin in einem riesigen Sturmtief, dass sich beständig um seinen Kern westlich der Bretagne dreht…

Vorhersage Wochenende, Strasse von Gibraltar

Der Regen ist schier unglaublich: für den Samstag sind bis zu 100 Liter pro qm in 24 Stunden vorhergesagt. Unwetterwarnung, und das Ende März in Südspanien, tolle Wurst🤪 Unsere Geduld wird auf eine harte Probe gestellt, denn es bläst hier unten, von stundenweisen Unterbrechungen abgesehen, seit nunmehr einer Woche!

Gestern Nachmittag hat sich ein neu angekommenes Mobil hier gleich neben uns im weichen Boden festgefahren. Alle packen mit an, der Platzwart steuert schliesslich mehrere rettende Sandbleche bei und mit vereinten Kräften haben wir schliesslich das Monstergerät mit seinen 12 Tonnen wieder frei. Kaum damit erfolgreich, fängt es wieder an zu schütten!

Hinter der Hecke: der befreite Havarist

Man kann wirklich nicht raus, und wer dennoch muss ist binnen kürzester Zeit nass bis auf die Haut!

Wirklich „nettes“ Wetter
… it‘s raining, it‘s pouring …

Einen Vorteil hat dieses Schietwetter ja, ich kann meine gesammelten Vorbereitungsnotizen für Marokko sichten und zusammenfassen. Diese möchte ich Euch nicht vorenthalten, sie sind aber für den Einen oder Anderen möglicherweise „dröch“, wie der Norddeutsche sagt.

Marokko, ein historischer Exkurs, nur empfohlen für geschichtlich Interessierte 😉:

Auf dem Staatsgebiet des heutigen Marokkos haben sich über Jahrhunderte viele Kulturen vermischt und gegenseitig beeinflusst.

Die ursprüngliche Bevölkerung Marokkos sind die Berber. Ab cirka 15.000 v.Chr. breitete sich von Osten her die neolithische Kultur im Maghreb aus. Bis zum 5. Jahrtausend v.Chr. entwickelte sich hieraus eine Kultur aus sesshaften Bauern und wandernden Viehhirten. Die Berber teilen sich in diverse einzelne Stämme auf, die jeweils ein streng gegen Nachbarstämme abgegrenztes Gebiet beherrschten. Im Atlasgebirge und in der Sahara stellen auch heute noch die Berber, die sich selbst als Amazigh bezeichnen, den überwiegenden Teil der Bevölkerung.

Anthropologisch gesehen handelt es sich bei den Berbern nicht um eine Rasse, sondern bereits seit über 2000 Jahren um eine Mischbevölkerung, deren Ursprung nach heutigen Vermutungen sogar in Europa lag. So gibt es unter den meistens braunäugigen und dunkelhaarigen Berbern auch seit Generationen blauäugige Familien mit blonden Haaren. Sie selbst nennen sich Amazhig, was soviel bedeutet wie „freier Mann“. Traditionell lebten sie als sesshafte Bauern oder ziehende Wanderhirten.

Karthager, Römer und Phönizier hatten schon früh ihr wirtschaftliches und strategisches Interesse am Maghreb entdeckt und an dessen Küste Handelsstützpunkte und Kolonien errichtet. Entlang der marokkanischen Küsten des Mittelmeeres und des Atlantiks bildeten sich Siedlungen der Karthager. Da einige dieser Siedlungen immer größer wurden und auch durch ihre Lage immer mehr an Einfluss gewannen, wurden die griechischen und später die römischen Herrscher auf diese Landstriche aufmerksam.

Nach den Punischen Kriegen annektierten die Römer bis zum Jahre 253 nach Christus jene Gebiete. Anschließend übernahmen zunächst die Vandalen und danach die Byzantiner die Herrschaft.

Nach dem Tod des Propheten im Jahr 632 in Medina und der in diesem Zusammenhang ungeklärten Nachfolgefrage entwickelte sich ein ursprünglich innermuslimischer (Clan)-Konflikt um die legitime Nachfolge Mohammeds. Als Folge dessen drangen ab Beginn des 8 Jahrhunderts Araber nach Westen in den Maghreb ein. Im Jahre 681 wurden die Byzantiner durch Ogba ben Nafi al Fihri besiegt und vertrieben. Er brachte die islamische Religion aus dem fernen Arabien bis an den Atlantik.

Lange Zeit gelang es den Arabern jedoch nicht, den Widerstand der maghrebinischen Amazhig zu brechen, wohl aber unter ihnen den Islam zu etablieren. Um 750 kam es zu zahlreichen Berberaufständen gegen die Herrschaft der Kalifen.

Verschiedene Amazighstämme rebellierten im Jahre 740 gegen die Araber und ein schiitischer Flüchtling aus Damaskus, mit Namen Moulay Idriss, wurde im Jahre 788 zum Imam (Gläubigen-Führer) der Marokkaner. Nach seiner Ermordung übernahm sein Sohn Moulay Idriss II. im Alter von elf Jahren den Thron. Dieser gründete die Stadt Fes und errichtete die erste Universität. Das war im Jahre 859, die erste europäische Universität wurde in Bologna, übrigens erst über 200 Jahre später, nämlich im Jahre 1088 gegründet. Auch heute noch wird Moulay Idriss in Marokko sehr verehrt.

Mit der Herrschaft der Almoraviden (1062 bis 1147), wechselte die Hauptstadt von Fez nach Marrakesch. Ursprünglich aus einer Berber-Sekte hervorgegangen, machten die Almoraviden Marokko zum Herzstück eines Reiches, das sich von Sizilien im Osten über das Atlasgebirge bis weit nach Spanien hinein erstreckte.

1420 griffen die Wattasiden nach der Macht, gerieten aber zunehmend unter Druck europäischer Mächte. Dieser gipfelte 1492 in der Rückeroberung Spaniens durch die Christen (Reconquista), welche durch die Einnahme Granadas endete.

Bereits kurz nach der Reconquista übernahmen die Spanier die Städte Ifni und Melilla, ab 1520 kontrollierten die Portugiesen praktisch die gesamte Atlantikküste Marokkos, Spanier und Portugiesen hatten begonnen, an den marokkanischen Küsten Stützpunkte anzulegen. Im 16. und 17. Jahrhundert entwickelten intensive Handelsbeziehungen zu europäischen Staaten. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts ergriffen die bis heute herrschenden Alawiden die Macht. Sie befreiten die meisten von Spanien und Portugal besetzten Küstenstädte.

Marokko war das erste Land, das die jungen USA im Jahre 1777 offiziell anerkannten. Die „Moroccan-America Treaty of Friendship“ von 1783, die von den späteren US-Präsidenten John Adams und Thomas Jefferson unterschrieben wurde, ist der längste ungebrochene Freundschaftsvertrag der USA mit einem anderen Staat.

Nachdem die Franzosen 1830 Algerien erobert hatten, versuchten sie auch ihren Einfluss auf Marokko auszudehnen, 1844 unterwarfen sie schließlich Marokko. Im März 1912 wurde Marokko zum französischen Protektorat erklärt. Die Franzosen bauten die Infrastruktur aus und Rabat wurde wieder Hauptstadt.

Im Zweiten Weltkrieg nahm der Nationalismus in Marokko weite Verbreitung. 1943 verlangte die nationalistische Partei mehr Rechte für Marokkaner und die Unabhängigkeit von Frankreich. Sultan Mohammed V. unterstützte die Unabhängigkeitsbewegung und wurde daraufhin von Frankreich abgesetzt. 1955 kehrte er nach Marokko zurück und ernannte sich nach der Erlangung der vollständigen Unabhängigket 1956 zum König. Als er 1961 starb, wurde sein Sohn Hassan I. König von Marokko.

1975 zogen sich Spanien aus der Kolonie Westsahara zurück, worauf Konig Hassan 350.000 unbewaffnete Marokkaner auf einen Friedensmarsch in das Gebiet schickte, um es für Marokko einzufordern. Das Gebiet wurde so durch das gesteuerte Senden von Zivilpersonen annektiert, ohne das ein Schuss fiel.

Im Jahr 1999 starb König Hassan II. Sein Sohn, der heutige König Mobammed VI, ist äußerst beliebt, denn er tut viel für das Volk. Sichtbar auch für uns ließ er im ganzen Land Schulen bauen und sorgte dafür, dass die allgemeine Schulpflicht durchgesetzt wurde. Kaum waren die Schulen errichtet, wurde auch ein breites Netz von modernen Schulbussen geschaffen, so das auch wirklich jeder aus abgelegenen Dörfern die Möglichkeit hat, die Schulen zu besuchen. Bereits in der Grundschule lernen die Jungen und Mädchen heute neben der arabischen auch die lateinische Schrift sowie die französische Sprache. Das Land wird sehr weltoffen geführt und geht derzeit in sehr großen Schritten der heutigen Zeit entgegen. Unter den arabischen Staaten wird Marokko als das pro westlichste Land eingestuft.

… so und wer bis hierhin durchgehalten hat, dem seit verkündet: mein Flehen wurde erhört, morgen gegen Mittag soll sich das Wetter bessern😊!




3 Antworten zu „„Oh Lord give us patience, ……. BUT HURRY!!“”.

  1. Avatar von Martin Blessing
    Martin Blessing

    Super, sehr spannend, für was doch ein Tiefdruckgebiet gut sein kann. Die Wandalen waren ursprünglich Langobarden, richtig? Und die Goten hatten auch mitgemischt.., spannend.
    Machst du auch noch einen Exkurs zu Westsahara?

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  2. Hallo ihr beiden, so senden wir euch herzliche Ostergrüße und denken intensiv an euch – soviel Pech gibt’s doch garnicht. Wir drücken die Daumen, dass eure Fähre abgelegt hat und ihr nun eine gute Zeit mit ganz vielen tollen Eindrücken in Marokko haben werdet. Ganz liebe Grüße L&O

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    1. Hallo Ihr lieben Bergsträsser, jep, unsere Fähre ging heute morgen – aber ohne uns. Aufgrund hohen Seegangs im Atlantik hat die Fährgesellschaft es heute abgelehnt, grössere Mobile zu befördern. Ostern auf einem Fährparkplatz – auch mal eine neue Erfahrung! Morgen um 8:00 h soll es klappen mit der Überfahrt.
      Euch Allen frohe Ostern aus Algeciras, S+A

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