Long Final!

Steiermark, Bergstraße, Rückkehr

A&P hatten „urgiert“, wie die Österreicher so schön sagen, wir mögen sie besuchen kommen. Die Beiden machen gerade Urlaub in ihrer Wohnung in B.M. Vor Jahren schon, auf unserer ersten Reise in einem Mobil, hatten wir sie dort einmal besucht, und auch diesmal soll es wieder so kommen.

Wir haben uns lange nicht gesehen, es ist also endlich wieder an der Zeit und P hat mir überdies ein verspätetes Geburtstagsmenü versprochen – ob meines gehabten „Jubiläums“. Wir stehen, wie beim letzten Mal am Grimmingblick, einem kleiner Platz mit vielleicht 30 Plätzen. Familiär, einfach, gut. Von dort aus radeln wir die paar Kilometer zu den Ps.

Wir geniessen die gemeinsamen Stunden auf dem Balkon im 7. Stock mit einem grandiosen Blick auf den Hausberg Grimming. Das Wetter ist uns hold und das hervorragende Menü, wie immer, wenn P. kocht, ein besonderer Genuss. Lange sitzen wir noch draussen beisammen und erzählen von Diesem und Jenem, von unserer Reise und allem Sonstigen. Heute sagt uns der Grimming mit einer rosa Wolkenhaube „Gute Nacht“.

Dankbar sagen auch wir spät, nach diesem, für uns so besonderen Abend, „Gute Nacht“ zu unseren alten guten Freunden. Immer wieder auf’s Neue, auch nach Jahrzehnten unserer Freundschaft ist es mit ihnen so, als sei man nie weg gewesen.

Spontan verlängern wir um eine Nacht, wir wollen noch Einiges unternehmen. Am nächsten Morgen machen wir eine herrliche Radtour zum Oedensee, Am Abend gibt es herrlichen Saibling, von P wieder virtuos zubereitet. A’s Wanderführer, der zum Abendessen vorbeikommt, ist ein herrlicher Unterhalter, redegewandt, witzig, mit breitem Wissen und einer ganz außergewöhnlichen Vita. Ein unterhaltsamer, kurzweiliger Abend!

An unserem letzten Tag in Österreich besuchen wir noch Bad Ischl, natürlich darf eine Besichtigung der Sommerresidenz von Kaiserin Sissi und ihrem „Franzl“ nicht fehlen. Die Torte beim KuK Hof-Konditor natürlich auch nicht!

Am 17. Mai, dem Freitag vor Pfingsten, starten wir früh. Wir haben geplant, am Pfingstsonntag in Darmstadt zu sein. Wegen des zu erwartenden Chaos auf den Straßen wollen wir heute soviel „Strecke“ wie möglich machen. Bis zum frühen Nachmittag gelingt uns dies auch, dann schlägt der Stauteufel zu, aber richtig! Wir kämpfen uns die A8 und später die A5 entlang, das Navi narrt uns zum wiederholten Male mit irrsinnigen, abenteuerlichen Ausweichrouten – es ist zum k…!! Müde und abgekämpft erreichen wir nach 700 Kilometern Ladenburg bei Heidelberg an der Bergstrasse. Der Stellplatz dort ist sehr gut, allerdings giesst es immer wieder in Strömen und wir ergattern einen der letzten freien Stellplätze. „Festmacherbier“, eine Hand voll Erdnüsse und ab in die Falle – ich bin platt!

Den Samstag brauche ich zum Relaxen, wir packen noch einmal die Räder aus, es ist trocken und wir radeln durchs Städtchen und ein wenig entlang der Bergstrasse. Der Neckar steht hoch, die Strömung schnell, erst später werden wir erfahren, was das Tiefdruckgebiet speziell im Saarland für Schäden angerichtet hat. Abends gibts für uns im Ochsen unseren ersten Spargel der Saison, ein herrlicher Genuss!

Sonntagmorgens starten wir früh gen Darmstadt. Unsere Tante Frieda hatte, wie jedes Jahr, Geburtstag und an Pfingsten wird er immer gebührend gefeiert. Die große Verwandtschaft trifft sich und sonntags ist Frühschoppen angesagt. Mit großem „Hallo“ feiern wir Wiedersehen mit den Alten und lernen auch die neuen Neffen und angetrauten Nichten von Tante Frieda kennen.

Abends fahren wir noch bis Moringen, einem kleinen Städtchen im Solling. Dort stehen wir ruhig und sicher für die letzte Nacht auf dieser Reise. Mit Gedanken und Bildern im Kopf von dieser großartigen, erlebnisreichen Erfahrung schlafen wir in den neuen Tag.

Wieder aus Sorge von übermäßigem Verkehr und dem damit verbundenen Fahr-Stress starten wir schon um 7:30h gen Heimat. Die letzten gut 200 km sind bald abgehandelt und wir biegen um die letzte Kurve in die Zielstrasse ein.

Das Bild, das sich uns dort bietet, ist unbeschreiblich: Alle Kinder, Enkel, die Nachbarn haben sich zu einem triumphalen Empfang versammelt! Fähnchen, Willkommens-Plakate, Winken, Umarmungen, Drücken, Tränen der Wiedersehnsfreude!

Wir sind überwältigt!

Der Tag (und der Abend) mit Familie, Freunden und Verwandten wird lang, J bereitet eine Riesen-Paella für alle, wir erzählen, lachen, essen, trinken, kuscheln mit den Enkeln. Die Reich-Familie hat sich wieder:

„Also die Alhambra muss man einfach gesehen haben!“ – „Hattest Du keine Angst im Caminito del Rey?- Also ich könnte das nicht!“ „Die Wüste am Morgen mit dem Ausritt auf den Kamelen – einfach unbeschreiblich schön!“ – „Wie war der Wein von Lauribert, wirklich so gut?“ – „Der Regen in Tarifa, unglaublich, wie in den Tropen!“ – „Berberwhisky!“ – „Lucca ist sooo schön!“ „Der Djem el Fnaa und die Schlangenbeschwörer!“

Heute nach sechsundneunzig Tagen, erfüllten, wunderschönen, anstrengenden, nachmal frustrierenden und gelegentlich auch erholsamen Tagen, sind wir nach dreizehntausend Fahrtkilometern wieder glücklich und gesund zu Hause angekommen. Wir haben auf unserer Reise fünf Länder besucht, unzählige beeindruckende Erlebnisse gehabt, die Länder, die wir bereisten, auf eine für uns ganz neue, hautnahe Art und Weise erleben dürfen. Nicht durch den Tourismus-Filter getrennt. Wir haben viele interessante, uns wohlgesonnene Menschen kennengelernt, die wir sofort in unsere Herzen geschlossen haben, Landschaften von großer Schönheit und Exotik durchstreift. Diese Bilder werden uns immer vor Augen bleiben. Die Geschichte dieser Orte haben uns gezeigt, dass es möglich war in Toleranz und Frieden zum Wohle Aller miteinander zu leben. Ein Hoffnungsschimmer und eine Mahnung zugleich, wenn man die heutige Welt betrachtet.

Reisen heisst für mich auch: aus der der Geschichte zu lernen, zu lernen an den Orten wo es geschah und nicht erlesen aus dem Geschichtsbuch. Man sagt: Reisen bildet. Und ja, das ist ganz gewiss so. Wir durften in diesen 96 Tagen am Alltag vieler Menschen teilhaben, sie kennenlernen, eine kurze Zeit bei und mit ihnen verbringen. Nie haben wir Ablehnung oder Feindseligkeit erlebt. Ein Stück weit wurde unser Kompass neu justiert, die Reise hat uns an Orte geführt, auf Dinge aufmerksam gemacht, die wir in unserer heilen, wohlfeilen Wohlstandswelt längst aus dem Fokus verloren haben. Und dafür sind wir zutiefst dankbar. Und auch dankbar dafür, dass wir diese Reise gesund und heil beenden durften, denn das soll’s noch nicht gewesen sein:

There’s more to come!

Zum Schluss noch ein besonderer Dank an Euch alle, die uns bei diesem Blog die Treue gehalten haben, danke für Euer offenes Feedback und die aufmunternden Rückmeldungen und Dank an Alle, die mir mit ihren Interessenbekundungen den Spass am Berichten befeuerten!

Danke dafür Euch Allen, Euer

Anders Reich

mit seinem „Saanehäubchen“




Eine Antwort zu „Long Final!”.

  1. Avatar von Martin Blessing
    Martin Blessing

    willkommen zuhause

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