Die Stadt in Flandern soll uns für zwei Nächte beherbergen. Nachmittags kommen wir bei unserem Gastgeber ausserhalb der Stadt an, mitten im Grünen und ganz neu angelegt. Der Stellplatz war mit 9 Metern Länge angegeben, aber nach dem Einparken stehen wir mit dem Heck in der rückwärtigen Weidenhecke. Aber kein Problem, der Inhaber kommt und löst das Problem kurzerhand mit einer Heckenschere.

Wir satteln unsere Bikes und radeln die 12 Kilometer bis nach Zeebrügge durch wunderschönes Marschenland, vorbei an Pferdekoppeln, schön hergerichteten Häusern, kleinen Fleeten und Knicks. Es ist heiss, fast 30 Grad zeigt das Thermometer.
Zeebrügge selbst ist, sagen wir mal: speziell! Ein altes Seebad, es scheint ein bisschen in die Jahre gekommen. Der vermutlich alten Hafen ist heute umgebaut und wird jetzt von Yachten genutzt – versteckt sich Richtung Meer hinter einer monströsen, riesigen Hochhausfront aus Beton! Tristesse der 70er at its best! Nicht weit weg sieht man die modernen Kaianlagen und Ladebrücken für die Containerschiffe, von See sieht man eine Fähre einlaufen. Der Blick schweift weiter seewärts, am Horizont gegen West, schemenhaft, die englische Küste im Abenddunst.








Am Ende der weissen Holzpier steht ein Leuchtturm, alt und grazil, er weist den Yachten ihren Weg zwischen den engen Molen hindurch in den alten Hafen. Bei Schwerwetter möchte ich hier nicht einlaufen müssen. Sicher stehen dann hier heftige Grundseen. Wir machen ein paar Erinnerungsfotos und begeben uns auf den Heimweg, einen leicht schalen Geschmack auf der Zunge …
Müde vom Radeln und dem Tag geht es bald in die Koje.
Mit dem Rad gehts am nächsten Morgen in die Stadt. “Bruge“, wie die Belgier diese Stadt französisch aussprechen, ist ein architektonisches Juwel! Kein Krieg, keine Feuersbrunst haben die Stadt je heimgesucht und lange war sie Mitglied der Hanse.








Prächtige Kaufmannshäuser zeugen vom Reichtum der Stadt. Als bedeutender Hafen war Brügge früher Zentrum des Fernhandels, bedeutend auch durch seine Textilmanufakturen. Brügge ist mit der Basilika „Onze-Liewe-Vrouwekerk“ Bischofssitz. Die Kirche ist einbedeutendes Denkmal der flandrischen Backsteingotik.





Die Ernennung der Altstadt von Brügge zum Unesco Weltkulturerbe hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass die Stadt heute heftig am Tourismus leidet. Sie ist völlig überfüllt, und auch wir tragen dazu bei, leider…
Die obligaten dänischen Waffeln wollen natürlich verkostet sein, und beim königlich belgischen Confisierie-Lieferanten erstehen wir einen ordentlichen Handvorrat köstlicher Pralinen mit wahrhaft königlichen Namen: „Baudouin“, „Margarethe“, „Elisabeth“, „Philippe“, „Mary“…
Morgen geht es, zuckersatt, in zwei Etappen weiter Richtung Loire.
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