Zum Westufer des Gardasees ist es nicht weit. Wir haben uns diesmal auf einem „richtigen“ Campingplatz eingebucht, andere Stellmöglichkeiten sind am Gardasee nur schwer zu finden und die App Campercontact ermöglicht eine direkte Buchung auf diesem Platz. Überraschenderweise ist der Camping Europa Silvella, zwischen San Felice und Manerba gelegen – eben südlich von Salo – wirklich angenehm, obwohl wir diesbezüglich ziemlich „krüsch“ sind. Campingplätze sind ja eigentlich nicht so unser Ding. Dass wir positiv überrascht sind, liegt sicherlich aktuell auch an der Nebensaison.

Der Platz ist sehr grün, hohe, alte Bäume spenden lichten Schatten, die einzelnen Stellplätze sind durch hohe Hecken von einander separiert, Strom, Wasser, Abwasser gibt es am Platz. Auf dem Bild oben zu sehen: seit dem Blumenmarkt in Meran haben wir Reisebegleitung in Form einer Topfpflanze, einer Protea: „Audrey II“ (in Anlehnung an die KJB-Produktion „Der kleine Horrorladen“). Für Eingeweihte: sie bekommt täglich einen Tropfen Blut von mir😂. Die meisten Stellplätze hier sind unbelegt. Im Hochsommer aber, so sagen wir unisono, möchten wir aber lieber nicht hier sein – bei dem Gedanken geht bei uns sofort das Kopfkino los. Aber im Hier und Jetzt: alles ruhig, genügend Freiraum, nettes Personal, die gesamte Anlage bestens in Schuss. Für uns ist der Zustand der Sanitäreinrichtungen zwar eigentlich unwichtig, weil wir ohnehin nur die Einrichtungen in unserem Auto nutzen, aber trotzdem positiv.
Mit dem Rad erkunden wir die Umgebung: es ist eine höchst bergige Angelegenheit und ohne e-bike wäre das für uns nicht zu machen. Dennoch: die Gegend ist wunderschön!






Wir radeln mehrfach und wandern am Strand um die Bucht nach Manerba. Das Wetter beschert uns wunderbare, warme Sonnentage, liefert zwischendurch aber gelegentlich auch längeren Regen ab.










Salo
Ist ein wunderschönes kleines Städtchen und durchaus mit Bezug zur jüngeren Geschichte Italiens. Mehrfach fahren wir mit dem Rad dorthin, es liegt ja von unserem Stallplatz aus gerade in der nächsten Bucht. Mit der App Komoot haben wir eine Strecke ausbaldowert, die von den Steigungen her für uns erträglich ist.














Und nun zur Geschichte:
Salo ist eine Gründung der Römer, besteht also seit der Antike und war ein bedeutender Handelsknoten.
Im 15. Jahrhundert war Salo die Hauptstatt der sog. Magnifica Patria, einem politisch-administrativen Verbund von Gemeinden zwischen Brescia und dem Gardasee. Sie stand, gegen Mailand erobert, unter dem Schutz von Venedig, welches hierfür eine Kriegsflotte auf den Gardasee entsandt hatte. Nota bene: was die Venezianer hierbei zu überwinden hatten -> siehe Blog „Borghetto sul Mincio“.
In der nachnapoleonischen Zeit (1815-1859) gehörte die Stadt zum österreichischen Lombardo-Venetien. Die Spuren alter K&K Eleganz sind nicht zu übersehen.

Die letzten Jahre des zweiten Weltkrieges waren für Salo von besonderer, unrühmlicher Bedeutung. Bekanntlich wurde Mussolini im Juli 1943 vom Faschistischen Rat das Vertrauen entzogen, woraufhin König Victor Emmanuel III Mussolini absetzte und inhaftieren liess, zuerst auf Sardinien, später im Hotel Campo Imperatore (passender Name!) auf dem Gran Sasso Massiv. Italien erklärte einseitig einen Waffenstillstand gegenüber den im Süden einmarschierten Alliierten USA und England. Die deutsche Reichsführung wollte seinerseits die kriegswichtigen Industrien Norditaliens vor dem Zugriff durch die Alliierten retten, andererseits war es aus propagandistischen Gründen opportun, den Erz-Faschisten Mussolini, einer der wichtigsten Verbündeten, im Krieg und im Geiste, nicht fallen zu lassen. (Stahlpakt 1939). Es erfolgte der Einmarsch deutscher Truppen nach Norditalien (der Fall Achse), mit massiven Widerstand durch Militär und Bevölkerung gegen die teilweise brutale und kriegerische Entwaffnung der Italienischen Truppen. Dies markierte den Beginn eines von Italienern forcierten sowohl regulären militärischen als auch Partisanenkrieges gegen die deutschen Besatzer. Nicht alle, aus jener Zeit stammenden, italienischen Ressentiments gegenüber Deutschen sind bis heute ausgeräumt. Ím September befreiten bekanntlich Deutsche Fallschirmjäger in einem spektakulären Husarenstück Mussolini aus dem Arrest auf dem Monte Campo. Diese „Lorbeeren“ hefteten sich jedoch SS-Schergen ans Revers und wurden von Hitler dafür hoch dekoriert. Die NS-Reichsführung inthronisierte sodann eine italienische Marionettenregierung, die sog. „Sozialistische Republik Italiens“ unter Führung von Mussolini. Deren „Staatsgebiet“ war das von Hitlerdeutschland besetzte Norditalien.






Regierungs-„Sitz“ der RSI war Salo. Mussolini selbst residierte in der, wenige Kilometer entfernten, Luxusvilla Feltrinelli in Gargnago. Sie dient heute als Luxushotel.




Dorthin zu radeln war es uns nicht wert. Und zum Glück hat dieser schlimme braune Spuk der wunderschönen Stadt Salo nicht nachhaltig geschadet. Wir radeln also zurück mit letzten Eindrücken aus dem so entspannten Salo, sitzen „daheim“ auf unserer „Terrasse“ und bekommen noch netten Besuch…
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