Santander

Mittags kommen wir in Santander an. Einen sehr neuen Stellplatz, ca. 8km außerhalb der Stadt, haben wir uns auserkoren. Gerade rechtzeitig bevor der Himmel seine Schleusen öffnet, können wir noch unsere Autos abstellen. Die geplante Radtour in die Stadt muss warten, denn schon es giesst aus Eimern. Wir machen aus der Not eine Tugend und erstmal Mittagsschlaf. Kurz von vier wird es merklich heller und wir wagen den Start, obwohl noch immer einige bedrohlich aussehende Wolken den Himmel verhängen. Die Begeisterung über angeblich so tolle die Fahrrad-Route wird schnell merklich gedämpft. Ging es erst über befestigte Feldwege und Dorfstraßen, dann entlang ein paar Radwegen, so müssen wir ab der Stadtgrenze auf stark motorisierten Strassen eigentlich ohne  Radwege weiterfahren. Dazu kommt, dass es rauf und runter, die Kreuz und die Quer geht. Also: „nichsodolle“! Die Architektur der äußeren Stadtbezirke verleitet zudem auch nicht gerade zu Begeisterungsstürmen, alles neue Zweckbauten, hochgeschossige Wohnklötze, sauber, ordentlich, aber wenig ansprechend. 

Nach einigem Hin- und Her-Geradel  kommen wir am Hafen an, dort wird das Stadtbild etwas hübscher. 

Vor der Hafenpromenade ankert eine Najad unter niederländischer Flagge. Das Bild erzeugt bei mir kurzfristige Herzbeklemmungen: …wäre, würde, hätte…

Zwischen einigen strahlend blauen Momenten mit Sonne drohen immer wieder dunkle Regenwolken vom Himmel. Daher radeln wir nur einmal kurz am Ufer entlang Richtung Halbinsel Magdalena um dann auch einen wirklich begrenzten Gang durch die Altstadt zu unternehmen. Allzu viel gibt es dort nicht wirklich zu sehen: ein paar noble Bankhäuser, ein bisschen Stadt, Geschäfte und Pintxosbars, sonst wenig Bemerkenswertes.

Zur Ehrenrettung von Santander sei angemerkt, dass die Innenstadt im Jahre 1941 ganze zwei Tage und Nächte brannte und dabei nahezu die gesamte alte Bausubstanz verloren ging. Mitten in der Stadt finde ich ein gläsernes Schutzdach über einer Treppe, die in den Boden führt. Daneben ein Schild: „Zugang zum betonierten Großbunker unter dem Platz gegen Bombenangriffe, erbaut 1937“ steht drauf. Ich denke plötzlich an Gernika, die Legion Condor, an all die Verbrechen, die Francos Fremdenlegion zusammen mit der Deutschen Luftwaffe im spanischen Bürgerkrieg begangen haben. Und daran, dass ein ungarischer Onkel dekorierter Kriegsteilnehmer war, in der internationalen Freiwilligenbrigade gegen Franco. Geschichte mahnt für die Zukunft! Grosses Leid beginnt manchmal mit einem kleinen Kreuz, das man gemacht hat! Nachdenklich gehe ich weiter.

In der Herz-Jesukirche, die eingezwängt zwischen Häusern und etwas erhöht steht, verweile ich für einen Moment, zünde ein paar Kerzen an.

Ein Strassenrestaurant im Schatten der ehrwürdigen Santander-Bank bietet abwechslungsreiche Pintxos und kühles Bier. Bald beginnt die Abenddämmerung. Gestärkt verlassen wir die quirlige Innenstadt, stürzen uns auf die Räder und mutig in den dichten Verkehr, zurück Richtung Stellplatz, den wir gerade noch so mit dem letzten Tageslichtschimmer erreichen. Alles schnell verstaut, die Räder sind im Auto – und schon giesst es wieder wie aus Eimern…





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