Von Zambujeira zur Südküste Portugals sind es nur knappe 80 Kilometer. Wir folgen der N120 Richtung Süden. Die Landschaft hier ist bergig und grün. Unsere „Homebase“ für die nächsten Tage wird Lagos, genauer gesagt Luz (sprich: Lusch) sechs Kilometer westlich. Wir haben so Einiges auf unserer Bucketlist und Stellplätze in Strandnähe für unsere Größenordnung sind an der Algarve nicht so dicht gesät, deshalb werden wir uns ein kleines Auto mieten, damit sind wir flexibler.
Erste Bootstour entlang der Felsenküste
Von Lagos aus starten wir eine Bootstour Richtung West, eine beeindruckende Steilküste mit fantastischen Felsformationen erwarten uns.




Über Jahrhunderte haben die Menschen an dieser Küste vom und mit dem Meer gelebt. Es gab ihnen Nahrung, aber es konnte auch alles Hab und Gut hinfort reißen, die schrecklichen Stürme Häuser und Felder verwüsten. Für die Fischer war es sehr gefährlich vor dieser windumtosten Küste zu fischen.
Mutige Männer heuerten als Seeleute auf den Entdeckerschiffen an, deren Eigner und Finanziers später Batzen und Ruhm einstrichen, wenn die Schiffe von fernen Kontinenten heimkehrten. Viele dieser mutigen Männer kamen aber nie zurück, hinterließen statt dessen oft verzweifelte Familien.
Die daheim bleibenden Frauen, die Alten und Kinder suchten Plätze für ihre Gebete, ihr inniges Flehen um göttliche Gnade, und für ihren erleichterten, tiefsten Dank nach glücklicher Heimkehr der Männer und Fischer, aber leider allzu oft auch für ihre verzweifelte Trauer. Diese Orte tragen die Erinnerung daran bis in die heutige Zeit, die Einheimischen hier kennen und ehren sie, wissen um deren Geschichte. Touristen liegt dies im allgemeinen fern, für sie ist z.B. die Ponta da Piedade einfach nur ein atemberaubend schöner Ort..






Sarges
Sagres, ein kleiner Ort westlich von Lagos, beeindruckt mit einem alten Fort an der Steilküste, etwa 50 Meter über dem Meer. Der Legende nach hat Heinrich der Seefahrer hier, am windumtosten „Ende der Welt“ seine Entdeckungsfahrten geplant. Seine Expeditions-Schiffe, Karavellen, wurden auf den Werften in Lagos gebaut. Hier in Sagres liegt die Wiege Portugals als koloniale Weltmacht im 15. und 16. Jahrhundert. Die Fortalezza de Sagres wurde bei einem Angriff des englischen Piraten Sir Francis Drake stark zerstört, und den Rest besorgte das Große Erdbeben von 1793.





Das weitläufige Areal hat nur noch wenige Reste aus der Zeit Heinrichs vorzuweisen, die Fortalezza wurde wurde in der 80er Jahren neu gestaltet.
Der Tourismus rund um Sagres ist weniger ausgeprägt als am Rest der Algarve. Hochhäuser und Bettenburgen findet man hier nicht. Für Surfer aber ist Sagres ein Traumziel: der stete, meist kräftige Wind und oft hohe Wellen ziehen die Brettartisten magisch an. Entsprechend viele Bullis und Kastenwagen findet man hier auf den Straßen und in Strandnähe, Flair und Umgangston sind lässig-relaxed.
Cabo Sāo Vicente

Einsam liegt die süd-westliche Ecke von Kontinental-Europa auf einem Felsenplateau im Atlantik. Der Legende nach soll im 12. Jahrhundert hier am Kap ein Schiff mit den sterblichen Überresten des heiligen Sankt Vinzenz (von Saragossa), dem Schutzpatron der Fischer und Winzer (er starb 304 den Märtyrertod), in Begleitung von zwei Raben, gestrandet sein.
Die Überschrift zu der Reise, über die ich hier berichte, lautete: „Destino dos Sonhos: Cabo de São Vicente“, zu Deutsch: Traumziel Cap San Vicente. Vom Cap bis nach Amerika, genauer gesagt nach Charleston, South Carolina, sind es 5500 Kilometer.
Seit über 30 Jahren betreibt eine deutsche Familie hier am Cabo einen echt deutschen Imbisswagen, „die letzte Bratwurst vor Amerika“. Der Verzehr dieses deutschen Kult-Lebensmittels ist für Besucher aus Deutschland absolute Pflicht!


Heute haben wir also den weitesten Punkt unserer diesjährigen Herbstreise erreicht. Es ist Freitag, der 9. Oktober. Bis hierher haben wir 39 Tage gebraucht und sind etwa 4000 Kilometer gefahren. Es wäre schön, wenn es uns vergönnt wäre, auch meine anderen „Traumziele“, die wichtigsten Grenzpunkte Europas noch erreichen zu dürfen.





Beeindruckend sind die gewaltigen Klippen des Kaps und geradezu unbeschreiblich das Tiefblau des Meeres. Die Aussicht ist grandios, die unendliche weite Leere des Meeres vor den Felsen lassen Dich klein fühlen. Wie schnell und brutal sich Schicksal erfüllen kann zeigt ein Gedenkstein an der völlig ungesicherten Abbruchkante des Cabo. Ein junger Mensch, nicht vertraut wohl mit den Gefahren hier, verlor an dieser Stelle sein junges Leben.

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