Andalusische Küste

Der Abschied von Portugal ist uns allen nicht leicht gefallen, zu viel Schönes haben wir hier erleben dürfen. Aber irgendwann geht auch die schönste Zeit einmal zu Ende. Wir starten am 19.10. bei zunächst feinem Wetter in Richtung Spanien. Über Vila Real und Sevilla geht es Richtung Malaga.

Bald sehen wir wieder die so typisch spanischen Foliengewächshäuser rechts und links der Autobahn, endlos weit, triste – und leider gibt es auch wieder den landestypischen Unrat, den der stetige Wind in der Landschaft verteilt – nicht ein Foto ist diese Tristesse wert. Hinter Antequera ändert sich das Landschaftsbild plötzlich: die Kargheit bleibt zurück, es  wird frisch-grün, es wir sauber in der Region Malaga. Obstplantagen bestimmen jetzt das Bild, im Hintergrund die erhabenen, ja bizarren, felsigen Berge der Sierra Nevada. Aber es zieht dunkel zu, der Wetterbericht hatte uns vor Adam, einer DANA-Wetterlage im Raum Alicante gewarnt. Deshalb weichen wir ja in den Süden aus, trotzdem sind die Ausläufer dieses mächtigen Höhentiefs bis hierher zu spüren. Wir machen Halt für die Nacht in einem kleine Ort, ungefähr 40 Kilometer vor Malaga. Der Himmel sieht jetzt bedrohlich aus, wir sind froh, dass wir unseren Freistehplatz für die Nacht noch trocken einnehmen konnten, denn schon öffnet der Himmel seine Schleusen, dazu blitzt und donnert es ordentlich. Wir sitzen sicher in unseren Mobilen und betrachten das Naturschauspiel vor beeindruckender Bergkulisse. Der Regen zieht ab, die Nacht wird ruhig. Wir stehen allein auf weiter Flur.

Nerja

Am nächsten Morgen starten wir frühzeitig. C hatte gestern, beim Reinigen seiner Frontscheibe plötzlich ein Problem in der Hand: mit einem scharfen „Knack“ hatte sich die Andruckfeder eines Wischerarms aus seiner Anlenkung verabschiedet. Mit nur einem Wischerarm auf der Fahrerseite ist er bis hierher gekommen. Heute morgen will er das Maleur in einer örtlichen Werkstatt richten lassen. Dieses eine Problem wird behoben, doch oh weh: nun leuchtet plötzlich seine Motorkontrolle auf! Bis östlich Malaga kämpfen die Beiden sich damit durch, dort gibt es eine Fachwerkstatt, aber leider erst morgen einen Termin. Wir verholen uns auf einen Naturplatz am Strand von Nerja – wir kennen ihn von früher – und stehen erst einmal sicher, gut und sehr schön! Diese ehemalige Avocado-Plantage ist zu einem naturnahen Camping umgestaltet worden: ein bisschen eng, einfach, vielleicht als etwas „alternativ“ zu bezeichnen, aber wir finden es großartig! Avocadosbäume stehen neben dem Auto, Bananen gedeihen hier, alles wirkt ursprünglich und dennoch gepflegt!

Aufgrund des notwendigen Werkstattaufenthalts unserer Freunde entscheiden wir uns für einen mehrtägigen Aufenthalt auf diesem Platz. Ins Städtchen mit seinem Balcôn de Europa und seiner quirligen Altstadt ist es nicht weit, nur ein paar Minuten mit dem Rad, der Strand liegt direkt vor der Haustüre und das Wetter lässt keine Wünsche offen.

Die große Tropfstein-Höhle von Nerja

Mit einen Ubertaxi fahren wir zur Höhle von Nerja. Die Tropfsteinhöhle wurde erst im Jahre 1959 von Einheimischen entdeckt, als sie Fledermäuse in einer Erdspalte verschwinden sahen. Ein riesiger unterirdischer Höhlenkomplex mit insgesamt drei großen Abschnitten wurden gefunden. Nur einer ist für die Öffentlichkeit zugänglich, die anderen sind aktuellen Forschungen vorbehalten. Man taxiert die gefundenen Höhlenmalereien auf gesicherte 18000 bis 21000 Jahre, d.h. die Bewohner waren Vor-Neanderthaler, Die Höhle, welche wir besichtigen konnten, ist in der Tat riesig, eine der grössten Tropfsteinhöhlen Europas. Jeder der einmal in diese Gegend kommt sollte der Höhle unbedingt einen Besuch abstatten.

Das Auto von H und C ist wieder heile, zum Glück war es nichts Dramatisches und entspannt fahren wir morgen weiter. Zuvor gibt noch was Nettes in unserer Lieblings-Tapasbar.

Cabo de Gata

Ist der süd-östlichste Punkt der iberischen Halbinsel, in weiten Teilen ein Naturschutzgebiet. Zu einer Umrundung der Iberischen Halbinsel gehört wenigstens ein Kurzbesuch hier dazu.

Mar Menor und l’Hospitalet

H und C wollen vor ihrer Heimfahrt noch gute Freunde bei Denia besuchen. Es liegt also die letzte gemeinsame Etappe vor uns. Das Ziel: San Javier am Mar Menor. Dort gibt es einen sehr brauchbaren Stellplatz für uns. Nachmittags kommen wir an, machen noch eine gemeinsame Radtour entlang des Mar Menor. Unsere alten Freunde P und E hatten vor Jahren drüben auf der Nehrung ein Haus, ihre zweite Heimat.

P hat diese Welt vor Jahren schon verlassen. Einen stillen Moment stehen wir am Ufer, denken an unserer liebe Freundin und schauen auf das Mar Menor, dass sie so sehr liebte.

Das gemeinsame Farewell Dinner mit H und C wird von einem stilvoll kredenzten Brandy gekrönt.

Morgens verabschieden wir uns: „Tschüss, schön war’s mit Euch, passt auf Euch auf, bis bald!“ Die ersten Kilometer ohne die beiden verlaufen still, melancholisch…

Bis zum Platz Cala d’Oques direkt am Meer in l’Hospitalet sind für uns es fast 500 Kilometer. Wir kommen gegen 18:00 Uhr dort an und finden noch einen akzeptablen Stellplatz. Zwei Tage ruhen wir hier aus, dann geht es weiter.

Schon morgen werden wir die iberische Halbinsel verlassen. Bis daheim sind es noch reichlich 2000 Kilometer. Über Narbonne und das Rhonetal wird es Richtung Heimat gehen. Die eine oder andere Ruhepause werden wir noch einlegen.

Wir hatten diese Reise ganz anders geplant, und bis zu letzt sollte auch die Gruppe anders zusammengesetzt sein. Aber es kam anders…

…und es ist eine sehr erlebnisreiche Reise geworden. Wir haben viele neue Eindrücke gewonnen und grossartige Reisegefährten besser kennen und in unser Herz schließen dürfen. Danke H und C, es war schön mit Euch! Viele bleibende Erinnerungen durften wir gemeinsam sammeln. wunderschöne Landschaften haben wir bereist, grandiose Landschaftsbilder gesehen und wir durften viele nette, aufgeschlossene Menschen erleben.

Schon in ein paar Tagen wird uns der Alltag wieder vereinnahmen und das daheim Gebliebene muss angegangen werden. Auch dieser Gedanke war auf dieser Reise unser Begleiter und es war nicht immer möglich ihn wegzuschieben.

Liebe Leser, habt vielen Dank für Eure Treue uns auch auf dieser Reise zu folgen. Herzlichen Dank für die positiven Rückmeldungen, sie geben immer wieder Motivation, für Euch an dieser Stelle auch weiterhin zu fabulieren.




Eine Antwort zu „Andalusische Küste“

  1. Avatar von Sabine und Bernd
    Sabine und Bernd

    Was für eine tolle Reise, unglaubliche Eindrücke, beeindruckende Bilder ❣️

    Wir freuen uns auf euch❤️❤️

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