Von Santander nach Salamanca sind es laut unserem Navi um die 430km. Die A67 schlägt dieses Teil uns nicht vor, aus welchen Gründen auch immer. Ich gehe (scheinbar) auf Nummer sicher und wähle den vorgeschlagenen Weg, zunächst über die N623 und das kantabrische Gebirge bis nach Burgos, dann auf die E80. Die Anderen nehmen den kürzeren Weg über die A67. Allerdings hat die N623 fahrtechnisch einiges zu bieten: den Pass Puerto del Escudo mit 1011 Metern, Steigungen an der Nordflanke bis 15% und enge Haarnadelkurven sind dabei! Wohl auch deshalb haben wir die Strasse für uns!





Warum mir Trimble copilot diese Strecke anstatt der deutlich zahmeren A67 vorgibt, bleibt ein Mirakel. Die aktuelle, aber leicht zu umfahrende Vollsperrung auf der A67 kann jedenfalls nicht der Grund gewesen sein, meinte C später am Abend zu meinem Bericht. Jedenfalls waren wir schon ein wenig erleichtert, als wir beim Embalse del Ebro den Pass hinter uns hatten. Nach der weiten Hochebene ging es dann im eindrucksvollen Urstromtal des Ebro hinunter Richtung Burgos und von dort Weiter zu unserem Tagesziel. Wir erreichen am Nachmittag Salamanca, unsere Reisegefährten sind schon einige Zeit vor uns angekommen.
Am Freitagmorgen radeln wir bei herrlichem Sonnenschein den Tormes entlang und ein Stück über die Isla del Soto hinein nach Salamanca. Die Kathedrale und die Altstadt beherrschen majestätisch das Stadtbild. Schon aus der Entfernung ist der goldgelbe Schein des Baumaterials der Stadt zu erkennen: ein besonderer Granit, er verwittert nicht, verhalf der Stadt zu dem besonderen Attribut: „golden“. Wir parken die Räder neben der Kathedrale. Sie ist auch unser erstes Besichtigungsobjekt.
Eigentlich handelt es sich bei dem Baukörper um zwei Sakralbauten, die direkt aneinander gesetzt wurden. Die ältere, im 12. Jahrhundert begonnen, zeigt romanische Grundstruktur, hat aber einen Turm, den Torre del Gallo, mit deutlich byzantinischem Einfluss. Das Retabel des Hauptaltars stammt aus dem 15. Jahrhundert und zeigt neben Portraits der Apostel fünfzig Einzelgemälde aus dem Leben Christi. Sie dienten den Kanonikern als Verdeutlichung in ihren Predigten.








Die neue Kathedrale, direkt neben der alten und direkt von dort zugänglich wurde im 15. Jahrhundert als gotischer Bau begonnen, wurde aber in seinen über 200 Jahren Bauzeit deutlich durch Renaissance und Barock geprägt. Die Cathedral Nueva ist ein beeindruckendes Bauwerk, beherbergt viele grossartige Kunstschätze, ist aber auch beredtes Zeugnis des schwunghaften Ablasshandels der katholischen Kirche – Aussicht auf ewiges Leben im Himmel gegen harte Münze auf Erden – zur Finanzierung prunkvollen sakralen Glanzes im Hier und Jetzt…
Lange und intensiv haben wir den interessanten Ausführungen des Audioguides gelauscht und dabei die Kirchen durchwandert, nun treten wir wieder in das gleißende Sonnenlicht dieses herrlichen Tages. Altstadt und Universität bilden zusammen mit den Kirchen ein einmaliges Ensemble, das heute als UNESCO Welterbe geschützt ist. Die Stadt ist quirlig, gibt sich wegen der vielen Studenten jung, wirkt, vielleicht gerade deswegen, anziehend, sympathisch.

















Samstags statten wir dem Museo Art Decó einen Besuch ab – ein tolles Jugendstil-Gebäude mit herrlicher Glasfassade und ebensolchem Kuppeldach und Blick auf den Tormes.

Eine sehr umfangreiche Sammlung vieler Exponate des Jugendstils und des Art Deco, beide so ungemein prägender Ausdruck für das Lebensgefühl der Belle Epoque. Viele Stücke fesseln, ja faszinieren uns. Leider ist in der Ausstellung das Fotografieren streng untersagt, nur im Café wage ich ein Handyfoto von einem der wunderschönen Glasfenster, die Kamera bleibt im Rucksack. Wer sich für Kunst und speziell für Art Nouveau interessiert, für den ist dieses Museum ein absolutes Muss!
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