Porto

Die Stadt mit dem weltbekannten Namen begrüsst uns mit satten 34 Grad. Istas Garden in Vila Nova del Gaia wird für vier Tage unser Zuhause sein. Ein kleiner, pikfeiner Stellplatz für 12 Mobile, am Ende einer Sackgasse im Stadtteil südlich des Douro. Es ist alles vorhanden, was das moderne fahrende Volk schätzt: ein schöner Pool mit Seewasser, Duschen, Waschmaschine und Trockner, eine komplett eingerichtete Küche, Grills, Aussenspüle, einer kleine Weinbar. Alles ist tippitoppi, liebevoll gepflegt, sehr sauber, die Hecken frisch geschnitten, der Kies ordentlich geharkt. Das Grundstück ist umzäunt, hier ist es sicher wie in Abrahams Schoß. Die freundliche Besitzerfamilie tut alles um die Gäste bestmöglich zu umsorgen. Der Aufenthalt hier ist sehr begehrt, was entsprechend langfristige Vorausplanung und Reservierung erfordert. Bevor man sein Mobil auf den Platz fahren kann, wird jede Reservierung geprüft. Hat man da wohl schon entsprechende Erfahrungen gemacht?

Nach dem Abstellen unserer Autos und einem späten Brunch schwingen wir uns am Nachmittag auf die Räder und fahren das kurze Stück zum Strand der Atlantikküste. Dieser ist nur etwa einen Kilometer vom Platz entfernt, es gibt viele Felsen und viel Sand. Hier ist es deutlich frischer als in Gaia. Unsere lieben Reisefreunde H und C, waren schon vorgefahren, in einer Strandbar treffen wir sie und nehmen zusammen einen vinho branca auf der Terrasse.

Das spätere Abendessen im benachbarten Strandrestaurant, nett eingerichtet, mit Holz und vielen Büchern, bietet ansprechende portugiesische Küche ohne grossen Schnickschnack, geradeaus, ehrlich und ziemlich gut.

Am Mittwoch Morgen bestellen wir uns ein Ubertaxi und fahren für ganze 6 Euro zur Ponte Luis I, der berühmten Brücke über den Douro. Die obere Fahrbahn, in der Mitte Gleise für die Straßenbahn und außen Gehwege für  Fussgänger, etwa 60 Meter über dem Fluss, hat nur ein einfaches, etwa brusthohes Geländer am Rand. Hohe Brücke und niedriges Geländer sind eine „helle Freude“ für S. Mit schnellen Schritten und fest an meinem Arm geklammert überwindet sie die diese, ihr so Angst einflössende Hürde, tapfer, aber ohne auch nur einmal einen Blick nach unten zu werfen.

Die Altstadt präsentiert sich trubelig mit vielen Menschen, Touristen vornehmlich; sie bevölkern die Straßen. Viele der Häuser sind außen mit Fliesen verkleidet, oft sehr einfachen, teilweise aber mit wertvollen Exemplaren versehen. Nicht weit vom Douro entfernt liegt die Estação São Bento, der Hauptbahnhof von Porto, erbaut zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Das Innere der Bahnhofshalle ist wunderschön mit Fliesen aus dem Alzulejo verkleidet, absolut sehenswert. Die großflächigen Darstellungen haben die Entwicklung des Verkehrs zum Thema.

Wir durchstreifen die Stadt, steigen steile Treppen hinauf, folgen verwundenen Gassen hinab und bewundern die historischen Straßenbahnen, die Eléctrico, die hier unterwegs sind. Schließlich nehmen wir einen Hob-on-hob-off Bus, eigentlich nicht so meine Art, aber ein paar unangenehme Kreislaufprobleme und wackelig auf den Beinen veranlassen mich dazu.

Am späten Nachmittag erreichen wir wieder die berühmte Brücke. Diesmal überqueren wir sie auf der unteren Plattform. Plötzlich, als hätte jemand sämtliche Tore der Universität geöffnet, bevölkern Hunderte von Studenten in schwarzen Talaren und Doktorhüten die Straßen: offenbar haben sie heute ihre Diplome erhalten und sind auf dem Weg um irgendwo ausgelassen zu feiern. Ein kleiner Pulk von Absolventen, gekühlte Getränke mitführend, schart sich fröhlich um Sanni, als ich sie auf der Brücke fotografieren will. Wie schön und sympathisch!

Am Donnerstag verhüllt zäher Seenebel Küste und Stadt. Zudem hat mir meine gestrige Irritation doch ein wenig zugesetzt, ein Tag zum Ausruhen ist da gar nicht so übel. Leider müssen also die zahlreichen Sehenswürdigkeiten Portos bis zum nächsten Mal warten…

Dennoch machen wir am Nachmittag einen kurzen Ausflug mit dem Rad an den Strand. Etwas südlich steht eine kleine Kapelle auf einem Felsen, „mit den Füssen“ quasi in der Brandung – und bei Sturm gewiss nicht nur …





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