Weiter geht es, Generalkurs Süd. Nur etwa 140 km südlich liegt ein Stellplatz, den ich ausbaldowert habe: Vaga splash. Er liegt direkt hinter den Dünen auf einer, der Atlantikküste vorgelagerten, flachen, langgestreckten Insel und hört sich einfach toll an. Und genau dahin wollen wir heute. Toll sind sind aber erstmal die letzten Kilometer für uns: Runter von der Autobahn und eigentlich schon fast am Ziel beharrt unser Navi bei seiner Streckenführung stets darauf schmale Strassen benutzen zu wollen, obwohl diese (und ich meine damit jede von mindestens zehn bis fünfzehn) ein Durchfahrtsverbot für LKW über 3,5t haben. Mit wachsendem Unmut und in aufsteigender Panik irren wir durch die ohnehin schon engen Ortschaften, wenden, halten an, überlegen, versuchen es hier, quetschen uns dort hindurch.
Die, exponentiell schnell heftiger werdenden, Beschimpfungen, mit denen ich ich den elektronischen Copiloten bedenke, sind weder zitierfähig noch treffen sie auf Zuspruch der indigniert neben mir sitzenden Dame. Eisiges Schweigen ist ihre Antwort auf meine Schimpfkanonaden. Weibliche Klugheit besiegt männlichen Furor.
Schließlich eine Verzeiflungstat: weit südlich unseres ursprünglich geplanten Weges ignoriere ich die immer noch penetrant wiederkehrenden Verbotsschilder und fahre hinein. Ein einsamer Wald mit zuerst guter Strasse lässt die Zuversicht steigen. Der Wermutstropfen: aus ursprünglich wenigen Kilometern Reststrecke sind, ohne das ganze vorherige hin und her, über fünfundzwanzig geworden. Und oh weh, bald schon beginnt eine üble Waschbrettpiste durch ein sehr langes, spärlich bebautes Gebiet. Mit langsamstem Tempo kriechen wir die letzten Kilometer, finden die Brücke bei Vagos und schaffen, mit den Nerven völlig fertig, die letzten Meter.
Aber der Platz ist die Wucht!

Total einsam gelegen, fast spartanisch, aber toll. Das gleich nebenan liegende Freibad hat bereits für den Winter geschlossen, in der Saison dürfte dies für einen ordentlichen Lärmpegel sorgen. Wir sind davon verschont, und vielleicht macht gerade das den besonderen Reiz aus: über die Dünen hinweg hören wir das ferne Grollen der Atlantikdünung, die unaufhörlich an den Strand rollt. (Nota bene: das folgende Video kann man nicht in der email-Version sehen)


Zu den Durchfahrtverboten auf dem Weg hierher: andere Fahrer klären uns auf, Wohnmobile zählen in Portugal nicht zu LKW, deshalb galten diese vermaledeiten Schilder gar nicht uns. Wir hätten also einfach durchfahren können. Aber das hat der gesetzestreue Deutsche natürlich nicht gewusst. Selber schuld!
Die tolle Strandbar gleich hinter den Dünen bietet einen großartigen Atlantikblick, bebidas und Snacks in überraschender Vielfalt. Dieses Angebot lassen wir uns nicht entgehen, die Grundversorgung für die nächsten Tage ist also gesichert. Paraglider unterhalten sich selbst und die Strandbesucher mit ihrem Hobby, Angler suchen Petris Heil.





Zwei Tage geniessen wir Sonne, Meer und Strand, machen Spaziergänge. Ein Ausflug ins nördliche Costa Nova mit dem Rad überrascht mit pitoresken Palheiros, bunt herausgeputzten Häusern, nett anzusehen. Flamingos am Ufer suchen nach Nahrung.







Nazaré ist ein Küstenort, der eigentlich, abgesehen von seinem breiten Badestrand nicht besonders viel zu bieten hat, von etwas Folklore abgesehen.





Oben auf dem Felsen gibt es eine alte Wehranlage, das ehemalige Fort São Miguel. Dorthin kommt man am Besten mit einer Standseilbahn. Die Fahrt dauert ganze zwei Minuten, für zwei Euro pro Fahrt ist man dabei. Von dort oben hat man, entsprechendes Wetter vorausgesetzt, den besten Blick auf die einzig wirkliche Attraktion von Narazé: Die Welle! Ein tiefer Canyon im Meeresboden vor dem Praia Norte, erzeugt, zusammen mit viel Wind und Sturm eine bis zu 30 Meter hohe Welle, das bevorzugte Spielzeug für Hasardeure der modernen Art: die big wave Surfer. Es gehört wohl schon eine grosse Portion todesverachtenden Leichtsinns dazu, sich diese Wellen hinabzustürzen – wohl wissend, dass man bei jedem Ritt zwingend auf die lebensrettenden Jetskis angewiesen ist, die einen sowohl auf die beginnende Welle hinauf, als auch aus der absoluten Todeszone heraus, nämlich den sich final überstürzenden Brechern, schleppen. Nicht wenige Male geht letzteres nämlich auch schon mal schief! Sowohl für den Surfer, als auch den Jetskifahrer.
Bei unserem Besuch war das Wetter ruhig, „die Welle“ schlief und zeigte sich nicht. Also begnügten wir uns mit einem Foto vom Foto.




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